Ein Team des Roten Kreuzes baut ein Zelt in Chaudfintaine auf
Nicolas Maeterlinck

Belgiens Rotes Kreuz sammelte bisher 30 Mio. € für die Opfer der Überschwemmungs-Katastrophe

Das Rote Kreuz in Belgien hat seit der Hochwasser- und Überschwemmungskatastrophe im Wesertal vor knapp 3 Wochen rund 30 Mio. € an Spenden für die Opfer sammeln können. Man habe mit einer derartigen Spendenbereitschaft nicht gerechnet, heißt es dazu von Seiten des Roten Kreuzes. Aber, gegen die Einrichtung richtet auch massive Kritik und zwar genau aus dem Katastrophengebiet…

Sofort nach der Flutkatastrophe im Wesertal in der Nacht zum 15. Juli richtete das Rote Kreuz Belgien ein Spendenkonto ein und seit dem wurden rund 30 Mio. € auf dieses Konto überwiesen (BE70 0000 0000 2525). Die Spenden kommen sowohl von Privatleuten, als auch von Unternehmen und Vereinigungen. Die Betroffenheit im Land ist sehr groß und in dieser Form und in dieser Höhe hat das Rote Kreuz noch nie Spenden sammeln können.

„So etwas haben wir noch nie gesehen“, sagte Philippe Vandekerckhove, CEO des Roten Kreuzes in Flandern: „Dies ist eine Wiedergabe davon, wie sehr sich die Leute von einer Katastrophe betroffen fühlen.“ Zwar sei die Spendenbereitschaft nach Katastrophen im Ausland in unserem Land ebenfalls sehr groß, so Vandekerckhove, doch auch die Tatsache, dass so etwas wie im Wesertal in Belgien seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen sei, sensibilisiere die Menschen.

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Hier ist noch viel zu tun
James Arthur Photography

Kritik

Doch gerade auch aus dem Katastrophengebiet in der Provinz Lüttich kommt scharfe Kritik am Roten Kreuz. Aus einigen betroffenen Ortschaften, wie aus dem schwer getroffenen Pepinster, verlautete, dass das Rote Kreuz einfach nicht da war. Mancherorts konnten die Gemeinden nur auf die Hilfe von Freiwilligen zählen, wie auf eigene Faust aktiv wurden.

Das Rote Kreuz argumentiert, dass die Hilfe durch den Umfang der Katastrophe nur langsam in Gang kam. Dies sei auch auf die ebenfalls träge Koordination der Behörden zurückzuführen, so CEO Vandekerckhove: „Weder bei den Behörden, noch beim Roten Kreuz in der Wallonie gab es eine gute Übersicht über die Nöte. Dadurch kam es vor, dass an der einen Stelle Freiwillige waren, die nicht viel zu tun hatten und dass andernorts gar keine Freiwilligen waren.“

Vandekerckhove bitte um Verständnis: „Eine Katastrophe ist immer eine unerwartete logistische Herausforderung. Das bedeutet, dass die Koordination in den ersten Tagen noch nicht ausreichend stark ist, um dafür zu sorgen, dass die Mittel an der richtigen Stelle ankommen.“ Das Rote Kreuz kann selbst über rund 15.000 freiwillige Helfer verfügen, von denen bis heute erst 2.000 aktiv werden konnten.

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Ein Stand des Roten Kreuzes und ein Foodtruck eines privaten Unternehmers in Trooz im Wesertal

Ist Belgien eigentlich für solche Katastrophen gewappnet?

RK-Flandern-CEO Philippe Vandekerckhove ist der Ansicht, dass unser Land in dieser Hinsicht nur gut aufgestellt ist: „Die Systeme von Belgien sind heute nicht stark genug für eine Katastrophe dieses Ausmaßes.“ Das habe auch damit zu tun, wie das Rote Kreuz in Belgien organisiert sei. Diese Hilfsorganisation ist in drei Teile aufgespaltet: Rode Kruis Vlaanderen, Croix Rouge und das deutschsprachige Rote Kreuz in Ostbelgien.

„Wir folgen also der Staatsstruktur des Landes“, so Vandekerckhove: „Bedeutet das, dass die Systeme und Absprachen bei einer Katastrophe, die beide Landesteile betrifft, verbessert werden können? Mit Sicherheit ja. Das sind die Lektionen, aus denen wir lernen müssen. Aber die Staatsstruktur wird nicht vom Roten Kreuz bestimmt.“

Inzwischen rufen viele Stimmen in Belgien nach einem permanenten staatlichen und überregionalen Krisenzentrum. Diese Rufe sind nicht neu, denn schon nach den Terroranschlägen auf Brüssel im März 2016 und aktuell im Rahmen der Corona-Gesundheitskrise wurde und wird eine solche Einrichtung empfohlen.  

Auch Pfadfinder eilten nach der Katastrophe zu Hilfe
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