Andreas Kockartz

Besondere Fahrzeuge im Museum: "La Jamais Contente" in der Autoworld

Im Brüsseler Automobilmuseum Autoworld im Jubelpark steht ein seltsames Auto mit der Form einer Zigarre. Heute mag man angesichts dieses über 100 Jahre alten Fahrzeugs schmunzeln, doch um die Jahrhundertwende herum war dies das schnellste Auto der Welt. Und es war ein elektrisch betriebenes Auto. Gebaut und gefahren hat es ein „Roter Teufel“ genannter Geschwindigkeitsfan aus Schaarbeek, der seine rasende E-Zigarre „La Jamais Contente“ nannte, was „Die niemals Zufriedene“ heißt…

Camille Jenatzy, Sohn eines Gummifabrikanten aus Schaarbeek, wurde aus zwei Gründen „Roter Teufel“ genannt und nein, er spielte nicht für die belgische Fußball-Nationalmannschaft. Jenatzy trug einen riesigen roten Schnurrbart und am Steuer von Autos erwies er sich als recht draufgängerisch.

Dass Camille Jenatzy auf elektrische Autos setzte, war seinerzeit keine Überraschung, denn damals hatten Diesel und Benzin als Kraftstoffe für Autos noch keinen hohen Stellenwert. Diese Autos konnten schnell sein und das brauchte unser „Roter Teufel“ aus Schaarbeek auch, denn er befand sich stets im Dauerduell mit dem Franzosen Gaston de Chasseloup-Laubat, der sich ebenfalls um Temporekorde bemühte.

3 Jahre währender Temporekord

Um nach einigen Niederlagen Chasseloup-Laubat endgültig zu schlagen, baute Jenatzy 1899 seine „Jamais Contente“, ein technisch brillantes Fahrzeug in Form einer Zigarre: Zwei Strom-Akkus, 68 PS, mit 660 Umdrehungen schnurrender Elektromotor und 1,4 Tonnen Gewicht. Er schlug seinen Kontrahenten mit einer bis dahin nie gesehenen Geschwindigkeit von 105 km/h. Diesen Rekord konnte Camille Jenatzy 3 Jahre lang halten.

Als sich die Automobilindustrie in den 1970er Jahren wieder vermehr für E-Autos interessierte, schaute man sich auch die Erfindungen von Jenatzy an, der ganz nebenbei in Paris noch elektrische Taxis baute. Der „Rote Teufel“ aus Schaarbeek ist übrigens nicht an Bord eines schnellen Autos gestorben. Er wurde bei der Wildschweinjagd von einem Freund erschossen, als er zum Spaß ein Wildschweingeräusch in einem Gebüsch nachmachte… 

"La Jamais Contente" und ein Jenatzy-E-Taxi in der Brüsseler Autoworld
Andreas Kockartz

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