Andreas Kockartz

Besondere Fahrzeuge im Museum: Der ehemalige deutsche Postwagen in der Train World

In der permanenten Ausstellung des Eisenbahnmuseums Train World im Bahnhof von Schaarbeek in Brüssel steht ein Postwagen deutscher Herkunft, der nach dem Krieg zur belgischen Bahn kam. In diesem 1930 gebauten und 1964 Belgien übereigneten Waggon ist noch fast alles so, wie damals gebaut. Einiger Teile im Inneren dieses Postwagens sind sogar noch in Deutsch geblieben.

Der Postwagen mit der belgischen Nummer 70302 (spätere UIC-Nummer 50 88 00-26 053-3) wurde 1930 in der Waggonfabrik Gebr. Credé & Co. in Kassel gebaut und als „Hannover 4364“ in Dienst gestellt. Er gehört zur deutschen Postwagenbaureihe Post-a(-p)/20 und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge von Reparationsleistungen 1946 der belgischen Bahnpost übereignet. Im Gegensatz zu seinen deutschen Bauartgenossen wurde er in Belgien niemals wesentlich umgebaut oder modernisiert.

Der belgische 70302 lief unter dieser Nummer bis 1954 und wurde 1957 dann im neuen Schema zum 70803. Als auch in Belgien die sogenannten Computernummern eingeführt wurden, lief er als 50 88 00-26 053-3 bis zu seiner Ausmusterung im Jahr 1981 weiter. Danach wechselte er zum Museum der Postregie in Belgien, wo er für die Train World in seinen ursprünglichen Zustand als 70302 zurückversetzt wurde. Dazu gehören auch die alte grüne belgische Reisezugfarbe sowie das schwarze Dach, das belgische Posthorn und ein Briefkasten an jeder Fahrzeugseite.

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Andreas Kockartz
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Im Inneren dieses Postwagens ist fast alles so geblieben, wie er 1930 gebaut und in Dienst gestellt wurde. Mit zahlreichen Regalen, Postsackhaltern und Fächern wurde er als ein Fahrzeug hergestellt, in dem Mitarbeiter der Post die Sendungen während der Fahrt (zumeist in reinen Postzügen aber auch eingereiht in Personen- oder Schnellzügen in der Nacht) vorsortierten. Neben einem großen Sortierabteil finden sich dort auch zwei kleinere Lagerräume an den Enden des Fahrzeugs.

Der Waggon ist in der Brüsseler Train World zugänglich gemacht worden. Hier sieht es heute so aus, als wären die Postleute gerade erst irgendwo in einem Bahnhof in die Pause gegangen. Wer genauer hinsieht, bemerkt in diesem Waggon sogar rasch ein deutsches Wort: Notbremse. Bis heute ist an der Notbremse nicht verändert worden, außer, dass sie in ein leuchtendes Rot mit weißen Buchstaben gestrichen wurde. Der 70302 bzw. ex-„Hannover 4364“ ist neben allen tollen Lokomotiven in der Train World auf jeden Fall einen Blick wert. Auch die sogenannten „Görlitz“-Drehgestelle (gebaut von WUMAG in Görlitz), auf denen der Wagen lief und heute noch steht, sollten nicht übersehen werden.

Andreas Kockartz
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