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Einst Flüchtling, jetzt Bronze bei den Olympischen Spielen: Bashir Abdi “wollte seinem neuen Land eine Medaille schenken”

45 Jahre nach der letzten Olympiamedaille von Karel Lismont im Marathonlauf hat Bashir Abdi wieder eine Medaille für Belgien geholt: Abdi lief den Marathon in Sapporo in 2:10:00 und ging als dritter ins Ziel. Es ist die siebte Medaille für Belgien bei den Olympischen Spielen in Japan.  

Der Lauf endete am Samstagabend besonders ergreifend: Auf den letzten Metern vor der Ziellinie wurde Abdi noch von seinem Trainingskameraden und guten Freund Abdi Nageeye angefeuert, um einen Gang zuzulegen und als Dritter ins Ziel zu gehen.  

Mit seiner Leistung beschert Bashir Abdi Belgien eine siebte Medaille bei diesen Olympischen Spielen. Nach dem Wettbewerb sagte er in einem Interview mit der VRT: 

"Ich wollte meinem neuen Land schon immer eine Medaille schenken, als Dankeschön. Bei den Europameisterschaften war ich mit Silber erfolgreich und jetzt stehe ich bei den Olympischen Spielen auf dem Podium. Hoffentlich werden in Zukunft weitere Siege folgen.” 

Olympiasieger war als 13-jähriger Flüchtling gekommen

Als 13-Jähriger war Bashir Abdi, zusammen mit seinem Vater, seiner Schwester und seinem Bruder aus Somalia nach Belgien geflohen. Die Familie landete in Gent. Sein Niederländischlehrer im Einbürgerungskurs hat ein Buch über die Geschichte des ehemaligen Flüchtlingskinds geschrieben, das 1988 in Mogadischu geboren wurde. Im TV-Magazin De afspraak erzählte Abdi von seiner Ankunft in Belgien und seine ersten Kontakte mit dem Leistungssport. 

"Alles war neu, ich sprach die Sprache nicht, es war eine völlig andere Kultur, das Wetter war kalt. Zuerst bin ich einem Fußballverein beigetreten, weil in Somalia der einzige Sport, der im Fernsehen oder in der Zeitung gezeigt wird, Fußball ist. Ich wusste nicht einmal, dass es andere Sportarten gibt. Dann kam ich mit der Leichtathletik in Berührung, und das gefiel mir sehr gut. Allein im Park oder im Wald zu laufen und alles zu vergessen, was ich durchgemacht habe, das hat mir so viel Befriedigung gegeben. Die Gesellschaft hat mir geholfen." 

Eine Schlüsselfigur in Abdis Geschichte ist seine Mutter. "Dank ihr bin ich nach Belgien gekommen. Sie wurde als politischer Flüchtling anerkannt und leitete daraufhin ein Verfahren zur Familienzusammenführung ein. Es dauerte Jahre, bis ich wieder mit ihr vereint war.” 

Im Jahr 2011 starb seine Mutter an Krebs. "An ihrem letzten Tag rief sie uns alle zusammen und sagte: Das Land hat euch so viel bedeutet, seid gute Menschen. Sie war diejenige, die mich in der Leichtathletik immer unterstützt hat, als der Rest der Familie das noch als Zeitverschwendung ansah." 

Florian Van Eenoo / Photo News

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