Andreas Kockartz

Besondere Fahrzeuge im Museum: Bovy, die vergessene belgische LKW-Marke

Im Juni 2009 erhielt das damalige Museum für Industrielle Archäologie und Textil (MIAT), das heutige Industriemuseum (IM) in Gent einen einmaligen historischen Lastwagen des belgischen Herstellers Bovy für die Kollektion. Der LKW aus dem Jahr 1925 (Foto oben und Mitte) ist neben einem Oberleitungsprüf- und Leiterwagen aus dem Jahr 1947 der letzte seiner Marke in Belgien.

Das Genter Industriemuseum bekam diesen Lastwagen 2009 von den Brüdern Maurice und Luc Rogge. Die Rogges sind in Gent eine bekannte Geschäftsfamilie, die mit Küchengeräten und -möbeln sowie Tischdekoration und Geschirr handelt. Ihr Großvater hatte diesen Bovy-Lastwagen 1925 neu gekauft und als Auslieferfahrzeug genutzt.

Die Fahrzeugmarke Bovy begann als „Ateliers de Constructions Méchaniques Albert Bovy“ 1902 in Brüssel - in der Sinte-Mariastraat in Sint-Jans-Molenbeek mit dem Bau von Autos. 1904 wurden die ersten Bovy-PKW auf dem Brüsseler Autosalon präsentiert und 1908 wurden hier die ersten Lastwagen und leichten Busse hergestellt. Anfang der 1920er Jahre wurde das Unternehmen in „SA des Automobiles Belges“ umbenannt und an den Fahrzeugkühlern stand das Logo „Automobiles Industriels Bovy Bruxelles“ angeschlagen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden viele Bovy-Lastwagen an die Armee, die Post, die öffentlichen Verkehrsgesellschaften, aber auch an Warenhausketten (Bon Marché, Delhaize) oder Brauereien (Stella Artois) verkauft. Sie waren unkompliziert aufgebaut, leicht und günstig zu unterhalten und ihr Verbrauch hielt sich in Grenzen.

Schon 1929, kurz nach dem Tod von Albert Bovy, wurde die Marke dem LKW-, Bus- und Schienenbushersteller Brossel verkauft, zu der auch die Marke Pipe gehörte. Ab 1931 liefen die Fahrzeuge als Bovy-Pipe aus der Produktion, doch Anfang der 1950er Jahre hörte die Marke auf zu existieren. 

Der Rogge-Bovy in Gent ist ein Zweitonner vom Typ D aus dem Jahr 1925. Der Vierzylindermotor musste angekurbelt werden, leitstete 18 PS und brachte es auf 35 bis 40 km/h. 

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter) 

Bovy Typ D im Industriemuseum Gent
Andreas Kockartz

Zwei weitere Bovy-Verwandte

Neben diesem Bovy, den die Familie Rogge 1980 wiederfand und restaurierte, ist nur noch ein Leiter- und Oberleitungsprüfwagen der späteren Marke Bovy-Pipe aus dem Jahr 1947 bekannt, der heute im ASVI-Trammuseum in Thuin in der Provinz Hennegau steht (Foto unten). Dieses vollständig restaurierte Fahrzeug wird mit einem Perkins-Dieselmotor angetrieben.

Weiter wird in einem alten Tramdepot in Knokke ein Leiterwagen der früheren Genter Verkehrsbetriebe MIVG aus dem Jahr 1930 untergestellt, der sich in einem nicht restaurierten Zustand befindet. Dieses Fahrzeug ist allerdings kein richtiger Bovy, sondern ein LKW des ehemaligen Fahrzeugherstellers Pipe (aus dem Brossel später Bovy-Pipe - siehe oben) machte. 

Bovi-Pipe-Leiterwagen im ASVI-Trammuseum in Thuin
Andreas Kockartz

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