BELGA/LALMAND

In letzter Zeit häufen sich in Belgien  Lebensmittel-Rückrufe - Was ist da los?

Der Lebensmittelproduzent Bel Belgium hat gemeinsam mit der Bundesagentur für Lebensmittelsicherheit (FAVV) eine Rückrufaktion für Streichkäse der Marke Kiri in die Wege geleitet. In diesem Käse soll sich zu viel krebserregendes Ethylenoxid befinden, ein in Europa eigentlich verbotenes Desinfektionsmittel. Dies ist nicht der erste Rückruf von Lebensmitteln aufgrund dieses Stoffes in Belgien. 

Bei Kontrollen war in Kiri-Streichkäse ein zu hoher Gehalt an Ethylenoxid festgestellt worden. Die betroffene Produktcharge, die in 150- und 200-Gramm-Kunststoffverpackungen abgefüllt ist, wurde in Belgien in einigen Warenhäusern und Supermärkten, z.B. bei Carrefour, Colruyt, Cora und Delhaize zwischen dem 20. Januar und dem 21. Juni verkauft. Käufer werden gebeten, den Käse nicht zu verzehren und das Produkt in das Geschäft zurückzubringen, wo es erworben wurde.

In letzter Zeit wurden hierzulande einige Male Lebensmittel in Belgien aus dem Handel entfernt oder zurückgerufen. Dabei handelte es sich z.B. um Fertigsaucen, Gewürze, Speiseeis oder auch um Zusatzstoffe für Lebensmittel. Letztes Jahr betraf dies Produkte, in denen Sesam enthalten war. Diesmal ist Johannisbrotkernmehl in den Produkten der Übeltäter. Dieses Mittel sorgt für eine Streichtextur z.B. bei Schmierkäse, Margarine oder Butter. Grund für diese Rückrufaktionen war stets ein zu hoher Ethylenoxid-Wert in den Produkten, der die zulässige europäische Norm bei entsprechenden Kontrollen überschritt. 

Was ist Ethylenoxid?

Ethylenoxid (kurz EO) ist ein farbloses, hochentzündliches Gas mit süßlichem Geruch und das einfachste Epoxid. Es ist ein wichtiges Zwischenprodukt bei der Herstellung von Ethylenglycol und anderen Chemikalien. Ethylenoxid wird als Desinfektionsmittel für Nahrungsmittel, organische Dämmstoffe, Textilfasern und medizinische Geräte verwendet. In Europa ist diese Chemikalie eigentlich verboten, doch es gibt Länder, die es verwenden, z.B. um Schimmel oder Salmonellen zu vermeiden. Wird Ethylenoxid in Lebensmitteln oder in Zusatzstoffen für Nahrungsmitteln entdeckt, müssen die entsprechenden Produkte aus den Regalen geholt werden. 

Keine unmittelbare Gefahr

Unmittelbar besteht beim Konsum von Lebensmittelprodukten mit Ethylenoxid keine Gefahr, so eine Mitteilung der Lebensmittelagentur FAVV, doch bei langem und intensivem Konsum könnten langfristig gesundheitliche Probleme entstehen, so die Wissenschaft, z.B. eine Krebserkrankung.

Die EU-Gesundheits- und Lebensmittelbehörden wollen strenger gegen Ethylenoxid vorgehen und Endprodukte sofort zurückrufen, wenn dieses Produkt vorgefunden wird. Als im vergangenen September eine umfassende Lieferung von Johannisbrotkernmehl aus Indien, dass hochgradig mit Ethylenoxid verseucht war, entdeckt wurde, schlugen die EU-Behörden Alarm und aus diesem Grunde gibt es aktuell häufiger Rückrufaktionen - nicht nur in Belgien. 

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