Taliban rücken in Kabul ein
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Afghanistan: Belgien setzt Soldaten und Flugzeuge zur Evakuierung aus Kabul ein

Die belgische Bundesregierung setzt auch nach der Flucht des afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani noch auf diplomatische und politische Verhandlungen mit den radikalislamistischen Taliban, um die Sicherheit in dem Land zu garantieren. Dies sagte Außenministerin Sophie Wilmès (MR) gegenüber VRT NWS. Belgier, die in Afghanistan festsitzen, sollen umgehend die belgische Botschaft in Islamabad in Pakistan kontaktieren. Inzwischen stimmt die belgische Bundesregierung einem Einsatz von belgischen Transportflugzeugen und Soldaten bei der Evakuierung aus Kabul zu. Die Aktion läuft an. 

Bundesaußenministerin Wilmès sagte, dass Belgien an der politischen Lösung für die Sicherheit in Afghanistan, die Doha verhandelt wurde, festhalte, doch es sei noch zu früh, sich darauf festzulegen. Die Lage in Afghanistan entwickele sich rasant und es sei nicht vorherzusehen, in welche Richtung es sich dort entwickeln werde: „Ein Regime der Taliban, dass mit Waffengewalt auferlegt wird, wird unser Land nicht anerkennen.“

Auch die belgische Armee war 19 Jahre lang daran beteiligt, die afghanische Armee auszubilden und zu unterstützen und jetzt erweise sich, dass diese Armee den Taliban kaum Gegenwehr bietet, so Wilmès. Es sei aber derzeit nicht möglich, zu sagen, dass die belgische Armee in ihrem Auftrag versagt habe. 

Die Außenministerin gab allerdings zu, dass man mit einem so schnellen Vorrücken der Taliban nicht gerechnet habe, was ein Grund für die Besorgnis der afghanischen Bevölkerung sei.

Bundesverteidigungsministerin Ludivine Dedonder (PS) kündigte am Nachmittag an, vier Transportmaschinen der Luftwaffe zur Evakuierung von Menschen aus Afghanistan nach Kabul schicken zu wollen. Zudem stehe eine militärische Einheit bereit, bei der Evakuierung am Flughafen von Kabul zu helfen bzw. diese mit zu organisieren. Im Laufe des Montagnachmittags stimmte die Bundesregierung einer Hilfe bei der Evakuierung aus Kabul zu und die bereitgestellten Maschinen und Soldaten können sich kurzfristig auf den Weg nach Afghanistan machen. 

Evakuierung und Asyl für afghanische Helfer

Belgien unterhält in Afghanistan keine eigene Botschaft, wohl aber in Islamabad in Pakistan. Dort sollen sich Landleute, die sich in Afghanistan aufhalten, melden. „Die Lage ist chaotisch. Personen, die geplant hatten, das Land in den nächsten Tagen zu verlassen, befinden sich jetzt in einer unsicheren Lage“, sagte Wout Poels von belgischen Außenamt gegenüber VRT NWS. Die belgische Botschaft in Islamabad sei rund um die Uhr erreichbar und habe bereits Kontakt mit Betroffenen.

11 Landsleute sind noch auf Reisen in Afghanistan, wie noch aus Meldungen bei Travellers Online vom Außenamt ersichtlich ist. 34 Landsleute mit doppelter Staatsbürgerschaft leben permanent in Afghanistan. Diese Leute, so Außenministerin Wilmès, könne man nicht verpflichten, das Land zu verlassen, doch einige von ihnen hätten sich bei den belgischen Behörden bereits gemeldet.

Sammy Mahdi (CD&V), Staatssekretär für Asyl und Einwanderung, gab an, die Dossiers von 20 ehemaligen afghanischen Helfern der belgischen Armee und deren Familien zu prüfen, um diesen humanitäres Asyl zu geben. Diese würden gegebenenfalls gemeinsam mit belgischen Bürgern aus dem Land evakuiert.  Überdies, so Mahdi, bedeutet die aktuelle Lage in Afghanistan, dass afghanische Migranten, die keine Duldung in Belgien bekommen, derzeit nicht in ihr Heimatland zurückgeschickt bzw. abgeschoben werden. 

Airbus A 400-Transportmaschine der belgischen Lufwaffe

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