Drohung eines Angriffs: Belgien stoppt Evakuierung aus Afghanistan und kontaktiert Nachzügler

Nachdem die belgischen Behörden am Mittwoch informiert worden waren, dass ein Selbstmordanschlag auf die Menschen am Flughafen in Kabul verübt werden könnte, hat die Regierung beschlossen, die Evakuierungsmission zu stoppen. “Sicherheit hatte für uns immer oberste Priorität", erklärte Premierminister Alexander De Croo (Open VLD) auf einer Pressekonferenz am Donnerstagmorgen. 

Außenministerin Sophie Wilmès (MR), die ebenfalls an der Pressekonferenz teilnahm, sagte, dass das Auswärtige Amt jetzt versucht, mit Belgiern, die noch in Afghanistan sind, Kontakt aufzunehmen.  

Am Mittwochabend um 21.30 Uhr Ortszeit landete der letzte belgische C-130-Flug aus Kabul in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Damit ist die belgische Evakuierungsoperation "Red Kite" aus Afghanistan zu Ende gegangen. Der konkrete Grund für die Einstellung der Operation waren Informationen aus den Vereinigten Staaten über die Gefahr eines Angriffs auf den Flughafen von Kabul. 

"Die Situation rund um den Flughafen von Kabul war von Anfang an äußerst chaotisch und gefährlich", sagte Premierminister De Croo. "Im Laufe des gestrigen Tages haben wir auf militärischer Ebene Informationen aus den USA und anderen Ländern über die Gefahr von Selbstmordattentaten in der Menschenmenge erhalten."  

Das Auswärtige Amt hat die Belgier in Afghanistan kontaktiert, um sie zu warnen, dass die Gefahr stark zugenommen hat. Außerdem war der Zugang zu den Gates praktisch versperrt und nur sehr wenige Menschen schafften es, ins Innere des Flughafens zu gelangen. 

Premier De Croo sagte auch, dass der Flughafenbetrieb in seiner jetzigen Form in den nächsten Tagen zu Ende geht: “Wir wollen nicht in eine Situation geraten, in der unsere Soldaten, Diplomaten und vielleicht auch Menschen, die wir noch evakuieren müssen, den Flughafen nicht mehr verlassen können. 

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Wer ist noch in Afghanistan?

Die Regierung weiß, dass noch immer Menschen in Kabul oder Afghanistan sind, die mit einer Evakuierung nach Belgien gerechnet hatten. Das sagte Außenministerin Sophie Wilmès: "Wir haben 114 Personen kontaktiert, von denen wir nicht sicher sind, dass sie Kabul verlassen haben", sagte Wilmès.  

Gleichzeitig weist der Minister darauf hin, dass die Zahlen sich ständig weiterentwickeln. Es ist möglich, dass einige Personen Afghanistan über andere Wege verlassen haben.  

"Wir haben sie zunächst darüber informiert, dass sich die Sicherheitslage rund um den Flughafen stark verschlechtert hat und dass unsere C-130-Maschinen nicht mehr fliegen werden. Wir haben sie gebeten, sich mit unserer Botschaft in Verbindung zu setzen, wenn sie weiterhin ihre Rückführung wünschen", erklärt Minister Wilmès. Bislang hat das Auswärtige Amt nur 12 Antworten erhalten, so Wilmès am Donnerstagmorgen. 

Nicolas Maeterlinck

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