Die Corona-Zahlen in Belgien: Etwas über 2.000 neue Ansteckungen pro Tag - Mehr Lockerungen in Flandern?

Aktuell werden täglich durchschnittlich 2.095 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus Covid-19 registriert. Dies meldet das staatliche wissenschaftliche Gesundheitsamt Sciensano. Das entspricht einem Anstieg um 5 % im Wochenvergleich. Inzwischen ist Flandern auf der ECDC-Corona-Karte wieder rot eingefärbt. Und doch fordern Landespolitiker, die Maßnahmen aufzuheben. Experten mahnen zur Vorsicht. 

In der Zeit vom 24. auf den 30. August wurden pro Tag etwa 2.095 Personen in Belgien positiv auf Corona getestet. Der R-Wert in unserem Land liegt derzeit bei 1,09. Gleichzeitig starben in unserem Land am Tag etwa 5 Menschen an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung. Das bedeutet, dass in Belgien bisher 25.392 Corona-Patienten an diesem Virus gestorben sind.

Im Zeitraum 26. August bis 1. September meldeten die Krankenhäuser in Belgien pro Tag durchschnittlich 65 Einlieferungen von neuen Corona-Patienten. Aktuell werden hier 657 Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind, in Krankenhäusern behandelt. Davon befinden sich 194 Patienten auf Intensivstationen.

Detailliert sind täglichen Corona-Statistiken für Belgien auf der Internetseite des staatlichen wissenschaftlichen Gesundheitsamt Sciensano zu finden.

Sollen die Corona-Maßnahmen in Flandern aufgehoben werden?

Nicht wenige flämische Landespolitiker und Parteien fordern, dass angesichts der hohen Impfquote in diesem belgischen Bundesland die Corona-Maßnahmen so langsam aufgehoben werden sollten. 

Darunter sind auch die flämischen Nationaldemokraten N-VA. Doch auch bei den Liberalen der Open VLD und bei der sozialistischen Partei Vooruit werden entsprechende Stimmen immer lauter. Hier fordert man weitgehende Lockerungen für Geimpfte, womit man auch Impfverweigerer unter Druck setzen will.

Aber, derzeit ist auch Flandern wieder eine rote Zone auf der Corona-Karte des Europäischen Zentrums die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) - siehe nebenstehenden Beitrag. Und doch sollen nach Ansicht vieler Beteiligter die am 1. September deutlich gelockerten Corona-Maßnahmen ganz abschaffen.

Zur Vorsicht gemahnt

Der flämische Biostatistiker Geert Molenberghs von den Universitäten in Löwen und Hasselt (UHasselt und KU Leuven - Foto unten) stimmt den Politikern zu, wenn diese sagen, dass die Impfquote in Flandern sehr hoch liegt (aktuell bei rund 90 % der erwachsenen Bevölkerung). Doch man müsse sich die Gesamtbevölkerung anschauen, „denn unsere jungen Leute sind ein Teil der Gesellschaft.“ Molenberghs ist der Ansicht, dass man einige Maßnahmen bis auf weiteres beibehalten solle: „Wenn gesprochen wird, man trägt dabei eine Mundmaske und es gibt eine gute Belüftung, dann hat man 500 Mal weniger Viren, als wenn man alles fallenlässt.“

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Geert Molenberghs

Wenn statistisch gesehen, wie z.B. im belgischen Bundesland Flandern, drei von vier Bürgern geimpft sind, reicht dies noch nicht aus, so der Biostatistiker weiter: „Der Impfgrad muss noch 10 bis 15 % höher liegen, um eventuell alle Corona-Maßnahmen fallenzulassen. Bis dann müssen wir vorsichtig bleiben, denn für Belgien und teilweise auch für Flandern besteht noch immer das Risiko einer Hospitalisierungswelle.“ Wissenschaftliche Modelle gehen noch immer von einer 4. Corona-Welle auch in unserem Land aus. 

Mehr Freiheit für die Geimpften?

Biostatistiker Molenberghs plädiert dafür, vorerst nicht zu lockern. Man sollte erst einmal abwarten, was die Auswirkungen der neuen Lockerungen seit dem 1. September bringen, doch eine Bevorzugung von geimpften Bürgern kann auch er sich vorstellen: „Nur Lockern für die, die geimpft sind, hat eine doppelt positive Folge. Auf der einen Seite sorgt das dafür, dass die Aktivitäten, die stattfinden können, ein Stück weit sicherer werden. Auf der anderen Seite haben wir in Frankreich deutlich gesehen, dass ein solcher Schritt den Impfgrad nach oben bringt.“ 

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