Die Eupener Talsperre: Archivaufnahme Januar 2021
Andreas Kockartz

Flutkatastrophe im Wesertal - Auf der Suche nach Antworten

Philippe Henry (Ecolo), der wallonische Umweltminister, hat ein Schweizer Unternehmen damit beauftragt, nach der verheerenden Flut Mitte Juli im Wesertal in der Provinz Lüttich die Prozeduren und Entscheidungen zu untersuchen, die zum Öffnen der Talsperre in Eupen und zu den verheerenden Folgen dieses Vorgang geführt haben. Doch an den Plänen zu der entsprechenden Studie gibt es Kritik. Derweil wartet auch Oliver Paasch (ProDG), der Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) in Ostbelgien Antworten auf viele Fragen. Damit entspricht er den Erwartungen der Betroffenen, wie die deutschsprachige Tageszeitung Grenzecho schreibt.

Im Auftrag von Walloniens grünem Umweltminister Philippe Henry soll das schweizerische Unternehmen Stucky eine unabhängige Analyse zum Management der Wasserstraßen in der Wallonie während der Unwetter in der Woche vom 12. Juli 2021 erstellen. Dabei gehe es darum „deutliche und sachliche Antworten zur Qualität der zwischen dem 12. und dem 16. Juli von der Wasserwegeverwaltung durchgeführten Prozeduren zu liefern“, so eine Mitteilung des wallonischen Umweltministeriums. 

Bis zum 30. September sollen die Entscheidungswege untersucht werden und das auf Wasser und Energie spezialisierte Unternehmen Stucky wird auch Zeugen und Betroffene des Hochwassers im Wesertal zwischen Eupen und Lüttich befragen. Das Schweizer Unternehmen wird dazu auch mit der Universität Lüttich zusammenarbeiten.

Bedenken

Doch Grenzecho-Chefredakteur Oswald Schröder hegt Bedenken zu dieser Studie, bzw. dazu, wie der Auftrag eingefasst wird. Warum seien nicht alle Akteure in diese Studie eingebunden worden, fragt sich der ostbelgische Journalist, z.B. das Königliche Wetteramt KMI, das als Bundesbehörde Überschwemmungen zwar voraussagen kann (und dies auch zum fraglichen Zeitpunkt tat), jedoch nicht dazu befugt ist, diese auch zu melden, denn das ist Sache der Regionalbehörden…

Für wen ist diese Analyse bestimmt (und für wen nicht)?

Schröder kritisiert auch, dass die Ergebnisse der Studie lediglich Minister Henry zur Verfügung stehen werden, nicht aber dem Untersuchungsausschuss im wallonischen Regionalparlament, der sich gerade mit der Frage der Verantwortlichkeiten zu dieser Sache befasst. Der GE-Chefredakteur kann auch nicht nachvollziehen, warum die Studie erst ab dem Stichtag 12. Juli greifen soll, wo doch das Europäische Flutwarnungssystem EFAS bereits am 10. Juli auf die zu erwartenden Überschwemmungen durch Starkregen genau in der betroffenen Region hingewiesen habe. Und dass die Ergebnisse der Studie nicht mit der Öffentlichkeit geteilt werden sollen, schmeckt Schröder auch nicht.

Doch gerade die Öffentlichkeit und erst recht die von den Weserfluten nach der Öffnung der Eupener Talsperre Betroffenen wollen Fragen auf ihre Antworten - nicht um Köpfe rollen zu lassen, sondern um zu verstehen, was warum passiert ist und um Lehren daraus zu ziehen, um so etwas in Zukunft anderes anzugehen. Dies unterstrich auch DG-Ministerpräsident Oliver Paasch. Der Regionalpolitiker gab am Sonntag in einer TV-Sendung des frankophonen Senders RTL TVi zu verstehen, dass die Betroffenen wissen wollen und sollen, „ob diese Katastrophe verhindert hätte werden können, ob Fehler begangen wurden und vor allem auch, welche Schlussfolgerungen gezogen werden, um die Wiederholung eines solchen Dramas auszuschließen.“

"Ehrliche und objektive Antworten"

Laut Grenzecho sagte MP Paasch bei RTL TVi, dass es jetzt Aufgabe der parlamentarischen Kommission der Wallonischen Region und der Justiz sei, ehrliche und objektive Antworten auf diese sehr legitimen Fragen der Bevölkerung zu geben. Ob und was die von Umweltminister Henry in Auftrag gegebene Analyse zur Aufklärung und zur Beantwortung aller Fragen von Öffentlichkeit und Politik beitragen kann, sei dahingestellt. 

Die Hochwasserkatastrophe in Ostbelgien und in der Wallonie in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli sorgte für Schäden in Milliardenhöhe und für zahlreiche Obdachlose. 38 Menschen kamen bei dieser Katastrophe ums Leben. Am schwersten Betroffen war das Wesertal, in dem die Wassermassen nach dem extremen Starkregen und nach der Öffnung der Eupener Talsperre verheerende Zerstörungen anrichtete. 

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