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Chefarzt UZ Leuven verärgert über Entscheidung mehr Betten freizuhalten für Corona-Patienten

Mittwoch wurden die belgischen Krankenhäuser angewiesen, ein Viertel der Betten auf den Intensivstationen für Corona-Patienten freizuhalten. Dafür hat Gert Van Assche, Chefarzt des UZ Leuven, kein Verständnis, denn wegen dieser Maßnahme werden andere Eingriffe wieder verschoben werden müssen. Nachdem sein Krankenhaus Dutzende von Corona-Patienten aus Regionen mit geringer Durchimpfungsrate aufnehmen musste, plädiert Van Assche für eine allgemeine Impfpflicht.   

Der Chefarzt des UZ Leuven war am Donnerstagmorgen im Radioprogramm De ochtend auf Radio 1 zu Gast. Dort klang Gert Van Assche wütend und verärgert. Die Verpflichtung, erneut Intensivbetten für Corona-Patienten freizuhalten, sei schwer zu verstehen: "Das wird die regulären Eingriffe wieder zurückwerfen."  

"Wir verstehen auch nicht, dass diese Maßnahme nicht bis zum nächsten Konsultationsausschuss warten konnte, wo zumindest alle Regionen am Tisch sitzen", fügte Van Assche hinzu. 

Nach Ansicht des Chefarztes ist die Maßnahme ungerecht gegenüber den Regionen, die hervorragende Durchimpfungsraten aufweisen können, wie im größten Teil von Flandern: "Sich gegen Corona impfen zu lassen ist bislang eine persönliche Entscheidung. Aber diese bleibt nicht ohne Folgen: "Der Anstieg der schwer kranken Corona-Patienten, wie es der Fall in Brüssel ist, war unserer Meinung nach vermeidbar. Jetzt hat dieser Anstieg erhebliche Auswirkungen auf die große Mehrheit der geimpften Landsleute". 

Wer nämlich auf eine Behandlung oder einen Eingriff wartet und im Krankenhaus aufgenommen werden muss, wird erneut auf später vertröstet, weil die Betten für Corona-Patienten reserviert sind.

Chefarzt plädiert für Impfpflicht

Chefarzt Gert Van Assche plädiert für die Einführung einer Pflichtimpfung für alle. "Ich weiß, dass das rechtlich nicht selbstverständlich ist, aber wir müssen etwas tun. Flandern hat die höchste Durchimpfungsrate der Welt. Wir sollten zumindest erwarten, dass die Durchimpfung auch im Rest des Landes wächst. Wenn eine Einladung zum Impfen nicht ausreicht, wird man das Impfen irgendwann verpflichten müssen.”  

Pflegepersonal weniger bereit, zusätzliche Patienten aufzunehmen

UZ Leuven

Das Personal in den Krankenhäusern sei auch weniger bereit, zusätzliche Patienten aufzunehmen, wenn die meisten von ihnen nicht geimpft sind. "Wir haben in den letzten anderthalb Jahren allein im UZ Leuven Dutzende Patienten aus Brüssel, der Wallonie und Nordfrankreich aufgenommen. Aber in Krankenhäusern in Regionen, in denen 90 % der Menschen geimpft sind, kann man das im Moment gegenüber dem Krankenhauspersonal nicht rechtfertigen". 

Gesundheitsminister Vandenbroucke zeigt Verständnis

Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit) reagierte am Morgen auf die Kritik von Van Assche und sagte, die Krankenhäuser würden sich zu Recht darüber beschweren, wieder ein Bettenkontingent für Corona-Patienten freihalten zu müssen. Gleichzeitig betonte er auch, dass es normal sei, dass Krankenhäuser "Vorsichtsmaßnahmen ergreifen müssen, wenn es zu einem starken Anstieg der Corona-Patienten auf Intensivstationen kommt".  

Weniger Verständnis hatte der Minister für die Kritik des Chefarztes des UZ Leuven, dass flämische Krankenhäuser für die niedrige Impfrate in Brüssel aufkommen müssen. "Ich finde das ein bisschen zu einfach", sagte Vandenbroucke. "In Flandern haben wir mehr Lockerungen möglich gemacht als in Brüssel, aber wir sollten auch aufpassen, dass es nicht umschlägt. … In Flandern geht es sehr gut, aber in Antwerpen zum Beispiel ist ein großer Teil der erwachsenen Bevölkerung immer noch nicht geimpft". 

Keine Impfpflicht für den Gesundheitsminister

Eine Pflichtimpfung für alle, wie Van Assche sie fordert, ist nach Ansicht des Ministers nicht durchführbar. "Das ist ein Slogan. Aber ich würde gerne sehen, wie Sie alle Menschen von 0 bis 100 Jahren impfen wollen". 

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