Flandern will den Corona-Pass nicht verallgemeinern, Gemeinden sollen selbst entscheiden

Die flämische Regierung hat nicht die Absicht, den Corona-Pass in unmittelbarer Zukunft auf ganz Flandern auszuweiten. Das hat der flämische Innenminister Bart Somers (Open VLD) am Donnerstag erklärt: "Wir haben eine unglaublich hohe Impfrate. Unsere Philosophie ist, dass wir den Menschen jetzt ein möglichst normales Leben bieten." Nach Angaben des Städte- und Gemeindeverbandes wollen jedoch einzelne Gemeinden strengere Maßnahmen ergreifen können.

Die belgische Regierung und die regionalen Verwaltungen haben sich am Dienstag darauf geeinigt, dass die Regionalregierungen ab Oktober selbst über die Verwendung des Gesundheitspasses entscheiden können. Brüssel hat sich bereit erklärt, diesen ab dem 1. Oktober eventuel in Hotels und Restaurants einzuführen. 

Der flämische Innenminister Bart Somers befürwortet die Ausweitung des Systems auf die Hauptstadt, da die Impfquote in der Region Brüssel viel niedriger ist als in anderen Regionen. 

Im Norden des Landes besteht dieser Bedarf jedoch nicht, sagt er. "In Flandern haben wir große Anstrengungen in die Impfkampagne gesteckt, und wir haben jetzt eine unglaublich hohe Impfquote. Darauf können wir stolz sein", sagte Somers. Deswegen sollen die Leute in Flandern ein so normales Leben wie möglich führen können.  

Lokal entscheiden?

Nach Angaben des Verbands der flämischen Städte und Gemeinden (VVSG) fordern mehrere Gemeinden nun die Möglichkeit strengerer Maßnahmen auf lokaler Ebene. Einige Politiker möchten sie notfalls auch in bestimmten Städten und Gemeinden im Norden des Landes einsetzen. Die flämische Dreiergruppe ist sich jedoch nicht einig in ihrer Unterstützung.   

"Wenn die Infektionsraten wieder steigen und es große Unterschiede zwischen den verschiedenen Gemeinden gibt, könnte es sich lohnen, diesen die Entscheidung zu überlassen", reagierte die flämische Abgeordnete Katrien Schryvers (CD&V). "Auch die Impfrate kann dabei eine Rolle spielen.” Auch in Flandern gibt es Gemeinden, in denen die Impfrate unter 70 Prozent liegt.  

Die flämischen Sozialdemokraten von Vooruit (in der Opposition) sind nicht abgeneigt, die lokamen Behörden entscheiden zu lassen. 

Innenminister Bart Somers ist aber nicht überzeugt: "Wir brauchen in Flandern keine 'Gesundheitspass-Gesellschaft." 

Das Covid-Safe-Ticket wurde im letzten Sommer eingeführt, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, zu reisen und an Großveranstaltungen teilzunehmen. Mit dem Covid-Safe-Ticket kann der Bürger nachweisen, dass er vollständig gegen Corona geimpft sind, dass er einen negativen Test gemacht hat oder kürzlich genesen ist. Veranstaltungen,  bei denen der Gesundheitspass vorgelegt wird, können stattfinden, ohne dass eine Maske getragen oder Abstandsregeln eingehalten werden müssen. 

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