Der Antwerpener Sportpalast "Lotto Arena" vor Corona
Christophe Ketels / BELGIAN FREELANCE

Zurückhaltendes Publikum: Kultursektor erholt sich nur langsam von der Corona-Pause

So langsam erwacht der Kultursektor in Belgien aus seiner erzwungenen Corona-Lähmung. Doch von einem Run auf die Veranstaltungen kann noch keine Rede sein. Das liegt unter anderen daran, dass noch viele Zuschauer Tickets für Veranstaltungen haben, die verlegt werden mussten. Andererseits bleiben viele Besucher von Kulturevents noch vorsichtig und zurückhaltend. Corona ist nun mal noch nicht vorbei, stellt der Sektor fest.

Aus einer stichprobenartigen Umfrage der Kulturredaktion von VRT NWS ist ersichtlich, dass sich der Kultursektor nur langsam von der Corona-Pause erholt. Ein Teil des Publikums bleibt angesichts wieder leicht steigender Coronazahlen noch zurückhaltend und andere haben noch ihre Eintrittskarten für Veranstaltungen, die seit März 2020 verlegt werden mussten.

Alleine die Betreiber des Sportpalastes „Lotto Arena“ in Antwerpen, eine der größten Eventlocations in ganz Belgien haben rund 1 Million Umbuchungen in ihren Statistiken stehen. Sportpaleis Group-CEO Jan Van Esbroeck sagte dazu: „Die Leute wollen zuerst ihre bereits bezahlten Tickets versilbern, bevor sie an neue Veranstaltungen denken.“

Der flämische Barde und Folkrocker Bart Peters z.B. gab kürzlich erst bekannt, dass er die sieben „Deluxe“-Konzerte in der „Lotto Arena“ durchführen wird, doch Karten dafür sind kaum zu bekommen, da rund 50.000 Zuschauer ihre Tickets von vor 2 Jahren noch in ihrer Schublade liegen haben…  

Gut stehen lediglich Veranstalter da, die Events gezielt für ein jugendliches Publikum ausrichten. Davon finden ebenfalls einige im Sportpalast statt, wie z.B. die Dance- und Schlagerpopevents "Moosebar XXL", "Reverze" und "I want to dance again".

Auch andere Locations erfahren eine relative Zurückhaltung

Mike Naert vom Konzertsaal Het Depot in Löwen bemerkt die Zurückhaltung der Besucher. Er vermutet, dass sie Leute noch kein rechtes Vertrauen in Sachen Corona haben und dass vielleicht auch noch einige Angst vor Ansteckung fühlen: „Wirken die Impfstoffe jetzt oder nicht? Ist das Reich der Freiheit da oder noch nicht? Es wird auch viel Verwirrung gestreut“. Damit zielt Naert auch auf die Regierungen in Bund und Ländern ab: „Unser Sektor, der sich schon so lange anstrengt, wartet auf eine Botschaft des Vertrauens.“

So wie dem Depot in Löwen geht es wohl den meisten kleineren Veranstaltern und Veranstaltungssälen. Gilles Ledure, der Direktor des Brüsseler Konzertsaals Flagey, beobachtet einen trägeren Kartenverkauf, als noch vor Corona und er geht davon aus, dass vorerst bis zu 30 % weniger Tickets abgesetzt werden: „Wir haben für den Herbst noch nicht den Sturm auf die Veranstaltungen gesehen, den wir erwartet haben. Es wird wohl noch 2 Jahre dauern, bis alles wieder seinen gewohnten Gang nimmt.

Und Jérôme Giersé vom Brüsseler Kulturpalast Bozar ist der Ansicht, dass der Kartenver- und vorverkauf aktuell nur schwerlich vorauszusagen ist: „Das Publikum geht auch mehr in Richtung einer Last Minute-Entscheidung. Der mögliche Ticketverlauf ist in diesen Tagen nur schwer einzuschätzen.“  

Auch der Konzertsaal Flagey in Brüssel wartet noch auf einen Publikumsansturm nach Corona

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