Flanderns Pflegeverbände fordern Coronapass für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen

Die Pflegeverbände im belgischen Bundesland Flandern rufen ein weiteres Mal dazu auf, hier einen Coronapass für die Besucher von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen einzuführen. Dies meldet die flämische Tageszeitung De Morgen in ihrer Montagsausgabe. Bundesgesundheitsminister Vandenbroucke (Vooruit) steht hinter der Forderung der Verbände. In der Brüsseler Hauptstadt-Region wird ein Coronapass für solche Einrichtungen mit aller Wahrscheinlichkeit ab dem 1. Oktober eingeführt. Hier fordern die Krankenhausverbände jetzt auch eine Impfpflicht für das medizinische und das Pflegepersonal.

„Unsere Krankenhäuser fordern einstimmig, Besuchern den Coronapass aufzuerlegen“, sagt Margot Cloet, die Geschäftsführerin des größten flämischen Pflegeverbandes Zorgnet-Icuro gegenüber De Morgen. Mit einem solchen Coronapass, besser bekannt als das Covid Safe Ticket, kann bewiesen werden, dass man gegen das Coronavirus Covid-19 geimpft ist oder dass man genesen ist bzw. kürzlich erst getestet wurde. 

Bisher ist ein solcher Coronapasse nur bei Reisen ins Ausland und bei Besuchen von Veranstaltungen erforderlich. In Brüssel, wo die Coronazahlen schlecht und der Impfgrad niedrig sind, wird dieser Pass voraussichtlich ab dem 1. Oktober in der Gastronomie und im Pflege- und Gesundheitsbereich eingeführt, sprich auch in den Krankenhäusern. 

Dazu fordern die Brüsseler Krankenhausverbände und -betreiber jetzt auch eine Impfpflicht für die Mitarbeiter ihrer Einrichtungen, sowohl für das medizinische Personal, als auch für die Pflegerinnen und Pfleger. 

Flandern könne da nicht bei außenvorbleiben, so Margot Cloet: „Erstens um noch einmal klarzustellen, dass es sehr wichtig ist, sich impfen zu lassen und zweitens um auch dafür zu sorgen, dass die Krankenhäuser maximal Corona-sichere Umgebungen sind. Wenn man geimpft ist, läuft man weniger Gefahr, leicht angesteckt zu werden und man kann das Virus auch nicht mehr so einfach übertragen. Wir wollen zudem damit unsere Mitarbeiter schützen.“

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Margot Cloet, Zorgnet-Icuro
Nicolas Maeterlinck

Härtefälle?

Margot Cloet will vermeiden, dass es in bestimmten Fällen nicht zu schmerzhaften Situationen kommt: „Wir müssen aber auch dafür sorgen, dass zu den schwächsten Patienten, wie z.B. Palliativpatienten oder Kinder, kein Besuch mehr kommen kann. Die Alternative ist, dass man sich vor dem Besuch testen lässt und das negative Resultat vorlegen kann. So kann man auch sehen lassen, dass man nicht infiziert ist.“ 

Das Problem dabei ist derzeit aber die Tatsache, dass die Krankenhäuser auf dahingehende Kontrollen nicht vorbereitet sind und dass das noch vorbereitet werden muss. Daran werde man aber arbeiten, so Zorgnet-Icuro-CEO Cloet weiter: „Ich glaube, dass es hyperwichtig ist, um jetzt ein Signal zu geben, dass wir absolut wollen, dass das Virus den Pflege- und Wohnheimen und den Krankenhäusern fernbleibt.“

Flanderns Landesgesundheitsminister Wouter Beke (CD&V) lässt dazu wissen, dass er die Forderung innerhalb der Landesregierung besprechen wird. Er bat dazu die flämische Gesundheits-Taskforce, in der auch die Pflegeverbände vertreten sind, um ein Gutachten.

Fürsprecher Vandenbroucke

Bundesgesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit - Foto unten) unterstützt die Forderung, erinnert jedoch daran, dass diese Frage Materie der Landesregierung sei: „Persönlich scheint mir das ein guter Vorschlag. Man sorgt für Sicherheit für das Pflegepersonal und für die Menschen, die im Krankenhaus sind. Dann ist man sicher, dass wer in ein Krankenhaus kommt, entweder geimpft und wenn nicht, zumindest negativ getestet ist. (…) Die Verantwortung, dies umzusetzen, wird bei den Teilstaaten liegen. Wir sind derzeit dabei, eine Anpassung des gesetzlichen Rahmens anzubringen. Das muss möglichmachen, einen Coronapass für Besuche in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen zu nutzen, falls die Landesregierungen dies wünschen.“ 

Belgiens Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke

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