Hans Hillewaert (Lycaon)/Wikimedia Commons/CC BY-SA 2.5

Forschungsschiff zieht in die Ukraine: Die „Belgica“ geht noch nicht in Rente

Das legendäre belgische Forschungsschiff RV „Belgica“ hat sich von der Marinebasis Zeebrügge verabschiedet und beginnt ein neues Leben in der Ukraine. 37 Jahre Dienstzeit hat das Schiff im Dienste der hiesigen Wissenschaft auf dem Buckel und es fuhr wohl über eine Million Seemeilen über die Meere. Doch jetzt tritt die neue „Belgica II“ an und ihre Vorgängerin hat zumindest in Belgien ausgedient.

Auf der RV „Belgica“ sind auf ihren Reisen vornehmlich durch die Nordsee und durch den Atlantik rund 1.000 wissenschaftliche Experimente durchgeführt worden und sie hat den Meeresboden auch zu kommerziellen Zwecken analysiert, z.B. für den Bau von Offshore-Windkraftanlagen oder zur Sandgewinnung. Auch die Fischerei zählte auf das Forschungsschiff zur Analyse von Fischbeständen.

Bei der Entdeckung der Schlammvulkane vor der marokkanischen Küste spielte die „Belgica“ eine ebenso wichtige Rolle wie auch bei der Entdeckung der Kaltwasserkoralle vor der Küste von Irland. Dort wurde sogar eine unterseeische Erhebung nach dem Forschungsschiff benannt, der „Mount Belgica“.

Multifunktionell

Die Besonderheit dieses Schiffs ist seine Multifunktionalität. Auf ihr konnten Wissenschaftler der verschiedensten Disziplinen und Bereiche arbeiten: Fischerei, Biologie, Geologie, Klima und Chemie. Belgien hatte mit diesem Schiff einen Trumpf in der Hand, der europaweit dabei half, neue An- und Einsichten in die Welt der Meere zu bekommen.

In die Jahre gekommen

Doch inzwischen ist das Schiff in die Jahre gekommen. Ursprünglich für 25 Jahre konzipiert, war die „Belgica“ 37 Jahre im Einsatz und so langsam wurde es schwierig, sie in Schuss zu halten, damit sie ihre anspruchsvollen wissenschaftlichen Reisen durchhalten konnte. Jetzt, kurz vor Inbetriebnahme der neuen „Belgica II“, wird sie an die Ukraine verkauft und hat sich bereits auf den Weg zu ihren neuen Standort in Odessa aufgemacht. Sie sei trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch ein gutes Schiff, so Lieven Naudts, der Koordinator für Forschungsschiffe in Belgien. Und Ludwig Damman, der letzte Kapitän des Schiffs glaubt, dass die Ukraine einen guten Kauf gemacht hat und dass die dortigen Wissenschaftler auf ihr sofort aktiv werden können. 

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