Börsengang von Chemiekonzern Azelis: wichtigster Börsengang an  Euronext seit 14 Jahren

Der Börsengang des Antwerpener Chemieunternehmens Azelis an der Brüsseler Euronext am heutigen Freitag scheint ein großer Erfolg zu werden. Es ist der größte Börsengang seit 14 Jahren.  

Das in Antwerpen ansässige Unternehmen ist im Chemiesektor tätig, allerdings nicht als Hersteller von Chemikalien, sondern als Distributor. Es kauft chemische Produkte von Chemiekonzernen und verkauft diese an kleinere Unternehmen weiter. Diese chemischen Stoffe werden verwendet, um Reinigungsmittel oder Erfrischungsgetränke, Make-up oder auch Tiernahrung herzustellen. Wie gesagt, produziert Azelis selbst keine chemischen Stoffe, versucht aber, in seinen eigenen Labors neue Anwendungen für bestimmte Produkte zu finden.

Warum stößt Azelis auf so großes Interesse bei den Investoren?

"In den letzten Jahren hat Azelis erfolgreich gewirtschaftet", so die Analyse von Erik Joly, Chefökonom von ABN AMRO Private Banking, auf Radio 1: “und ist sehr stark gewachsen, organisch und durch Übernahmen.”  

Das Unternehmen wird auch von mächtigen Anteilseignern unterstützt, so Joly, darunter die einflussreichen schwedischen Investoren rund um die Familie Wallenberg oder noch EQT.  

Trotz Corona ist der Umsatz des Unternehmens im vergangenen Jahr um 6 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro gestiegen. Der Nettogewinn belief sich auf 71 Millionen Euro. 

Was macht diesen Börsengang für die Euronext zum "wichtigsten seit 14 Jahren"?

Bislang war der Börsengang nur professionellen Investoren vorbehalten, doch ab heute können auch Privatanleger zeichnen.  

Das Interesse ist groß. "Azelis ging mit einem Einführungspreis von 26 Euro pro Aktie an die Börse. Das ist das obere Ende der Preisspanne und hat gezeigt, dass Interesse besteht”, erklärt Erik Joly."  Das Interesse hat sich inzwischen bestätigt. Die Eröffnung am Morgen verlief ruhig, aber in der Zwischenzeit ist der Wert der Aktie bereits um 11 bis 12 Prozent gestiegen. Beim aktuellen Kurs wird das Unternehmen bereits mit rund 6,9 Milliarden Euro bewertet. 

Auch die Größe der Operation spielt eine wichtige Rolle, erklärt Joly. In den letzten 20 Jahren sind nur Nyrstar im Jahr 2007 und Belgacom im Jahr 2003 mehr oder weniger in der gleichen Kategorie, weiß die Finanzzeitung De Tijd

Was will Azelis mit dem Geld machen?

Mit dem Erlös aus dem Verkauf der neuen Aktien will das Unternehmen seinen Schuldenberg von 1,6 Milliarden Euro in den Griff bekommen und durch Übernahmen noch schneller wachsen. 

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