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Nach tödlicher Studententaufe vor 3 Jahren: Prozess im Fall Sanda Dia beginnt

Fast drei Jahre nach dem Tod von Sanda Dia hat der Prozess gegen 18 Mitglieder der Reuzegom-Studentenvereinigung an diesem Freitag vor dem Strafgericht in Hasselt begonnen. Bei der Studententaufe im Dezember 2018 war der 20-jährige Sanda Dia nach einem extremen Taufritual gestorben. Am ersten Prozesstag werden vor allem praktische Absprachen über den Prozessverlauf gemacht. 

Heute Morgen um 10 Uhr wurden alle Parteien im Fall Sanda Dia vor dem Gericht in Limburg zum ersten Verhandlungstag erwartet. Familie und Freunde von Sanda waren anwesend. Zwei Studenten der Studentenvereinigung Reuzegem und eine Reihe von Anwälten hatten sich ebenfalls in Hasselt eingefunden. Es handelte sich um eine Einführungsveranstaltung, in der zusammen mit dem Gericht die eigentlichen Hauptverhandlungstage festgelegt wurden.

Die Anhörung wurde für eine Stunde unterbrochen, nachdem einer der Anwälte eines Angeklagten, die Frage gestellt hatte, ob einer der Richter noch mit der KU Leuven, der Universität des Opfers, verbunden sei. Er forderte die Absetzung des Richters. 

Die Verhandlung soll am 12. Oktober beginnen. Ist der betreffende Richter bis dahin ersetzt worden, kann die Verhandlung fortgesetzt werden. Wenn nicht, könnte der Anwalt die Zusammenstellung des Gerichts anfechten und der Prozess könnte erneut verschoben werden. Die Plädoyers würden erst am Freitag, den 22. April 2022 beginnen. 

Anwalt Sven Mary mit der Familie und Freunden von Sanda Dia

Anklagepunkte

Auf den Hauptverhandlungstagen wird die Staatsanwaltschaft ihre Begründung für die Anklage vortragen und erklären, warum sie die 18 Studenten strafrechtlich verfolgen will. 

Die Anklagepunkte sind unter anderem unbeabsichtigte Tötung, vorsätzliche Verabreichung von schädlichen Substanzen mit Todesfolge, Erniedrigungen und schuldhafte Unterlassung. Auch die Anwälte der Zivilparteien (einschließlich der Familie von Sanda Dia) und die Anwälte der Verteidigung werden ihre Plädoyers halten. 

Das Urteil des Gerichts kann einen Monat nach der Verhandlung ergehen. Den Studenten drohen 10 bis 15 Jahre Gefängnis. 

Verzögerung und Aufschub

Der 20-jährige Student Sanda Dia starb im Dezember 2018 nach einem extremen Taufritual der (inzwischen aufgelösten) Studentenvereinigung Reuzegom. Er musste literweise Alkohol und Fischöl trinken und in einer eiskalten Grube ausharren.  

Die Ermittlungen wurden im Juli 2020 abgeschlossen. Im September sollte das Gericht entscheiden, ob die Studenten und wenn ja, wer tatsächlich vor Gericht gestellt werden sollte. Mehrere Parteien beantragten jedoch zusätzliche Ermittlungshandlungen, so dass die Sitzung verschoben wurde. 

Nach Abschluss der zusätzlichen Untersuchungen wurde für Juni 2021 eine neuer Prozessbeginn geplant. Da eine der angeklagten Parteien der Gerichtsvorsitzenden Befangenheit vorwarf und ein Antrag auf ihre Absetzung stellte, verzögerte sich der Prozess erneut. Der Befangenheitsantrag wurde abgewiesen.  Im August (fast ein Jahr nach dem ursprünglich anberaumten Termin) konnte die Ratskammer zu einem Befund kommen und entschied, alle 18 Reuzegom-Mitglieder an das Strafgericht zu verweisen.  

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