PFOS-Skandal: Beweise, dass flämische Regierung Öffentlichkeit nicht informieren wollte

Es werden immer mehr Beweise dafür gefunden, dass die flämische Regierung 2017 Stillschweigen über die PFOS-Kontamination durch den Chemiekonzern 3M in Zwijndrecht behalten wollte. Das geht aus neuen E-Mails hervor, die die VRT-NWS-Redaktion einsehen konnte. Die E-Mails waren an die damalige Umweltministerin Joke Schauvliege (CD&V) und den damaligen Verkehrsminister Ben Weyts (N-VA) gerichtet. 

Obwohl den verantwortlichen Politikern, nicht nur in der Regierung, sondern auch auf kommunaler Ebene in Antwerpen, der Umfang der Kontaminierung bereits 2017 bekannt war, dauerte es drei Jahre, bis die PFOS-Kontamination an die Öffentlichkeit gelangte. In Zwijndrecht, wo sich das Werk des US-amerikanischen Chemiekonzerns befindet, wurden bis 2020 keine PFOS-Werte gemessen, trotz der Risiken für die öffentliche Gesundheit. 

Welche Rolle spielte die ehemalige Umweltministerin?

Heute stellt sich die Frage, welcher Minister entschieden hat, nicht zu kommunizieren. Umweltministerin Joke Schauvliege war damals für die Abfallverarbeitungsgesellschaft OVAM zuständig. Schauvliege hat stets bestritten, dass sie die Anweisung gegeben hat, nicht zu kommunizieren und will im parlamentarischen Untersuchungsausschuss klare Beweise erbringen. 

Eine E-Mail aus dem Jahr 2017 besagt aber, dass die OVAM ausdrücklich vom Kabinett der Ministerin gebeten wurde, nicht über die Kontamination zu kommunizieren und auch keine weiteren Messungen vorzunehmen. 

Ehemaliger Verkehrsminister: "nicht zuständig"

2018 bat der Bauherr Lantis - ebenfalls in einer E-Mail an den Kabinettschef des damaligen Verkehrsministers Ben Weyts - um die Genehmigung, über die PFOS-Verseuchung kommunizieren zu dürfen.

In der E-Mail wird auch erwähnt, wie ein Tomatenbauer und ein Förster sich über Mitarbeiter der Gasgesellschaft Fluxys Sorgen machen, die in blauen Anzügen und mit Gesichtsmasken auf dem kontaminierten Gelände arbeiten.  

Ben Weyts war in der vorigen Regierung zuständig für die Bauarbeiten an der Oosterweel-Verkehrsverbindung, bei der die schwere Bodenverseuchung mit PFOS-Chemikalien von 3M in Zwijndrecht ans Licht kam. 

Weyts hat nie bestritten, dass er von der Kontamination wusste, dass es aber nicht in seiner Zuständigkeit lag, darüber zu kommunizieren. Außerdem sei die OVAM zu dem Schluss gekommen, dass keine Gefahr für die öffentliche Gesundheit bestand.

Die ehemaligen Kabinettsmitarbeiter von Ben Weyts werden ebenfalls am Freitag im Untersuchungsausschuss befragt. In einer Reaktion sagte Weyts, er habe vollstes Vertrauen, dass sowohl seine Mitarbeiter als auch Lantis damals vorschriftsmäßig gehandelt hätten.

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