Jorn Urbain - The Belgian Navy

Unerfahrene Besatzung? Belgiens Fregatte "Leopold I." wird nicht für das anstehende Nato-Marinemanöver zugelassen

Die belgische Fregatte „Leopold I.“ (Foto) ist bei einer Prüfung vor einem anstehenden Nato-Marinemanöver durchgefallen, wie das Bundesverteidigungsministerium gegenüber VRT NWS bestätigt. Laut Ministerium war die Besatzung der Fregatte zu jung und zu unerfahren, um an dem Manöver teilzunehmen. Für die belgische Marine ist dies ein sehr peinlicher Vorgang.

Zum ersten Mal nimmt die belgische Marine nicht an einem Nato-Manöver teil und dies ist eine Blamage für unser Land. Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums ist die Besatzung der „Leopold I.“ zu jung und noch zu unerfahren für eine solche Aktion. Die Besatzungsmitglieder einer Fregatte der belgischen Marine muss stets verschiedene Funktionen erfüllen, doch durch die aktuell sehr schnell verlaufende Rekrutierung bei der Armee reicht wohl oft die Zeit für eine tiefgreifende Ausbildung nicht, wie es dazu heißt.

VRT-Journalist Jens Franssen ist Spezialist für Armee und Verteidigungsfragen in unserer Redaktion. Er erklärt die erste Nicht-Teilnahme der belgischen Marine an einem internationalen Nato-Manöver folgendermaßen: 

„Die Armee muss in hohem Tempo Rekruten anwerben - auch bei der Marine, doch auf den Schiffen muss jedes Besatzungsmitglied zwei bis drei Funktionen kombinieren, z.B. technische Aufgaben und Feuerwehr. Doch die Besatzung war nicht ausreichend vorbereitet. Also darf die ‚Leopold I.‘ nicht an diesem wichtigen internationalen Manöver teilnehmen. Eigentlich muss jedes Land Schiffe für die Nato vorsehen, die sofort einsetzbar sind und dass ist hier nicht der Fall.“ 

Jedes Land muss Schiffe für die Nato vorsehen, die sofort einsetzbar sind und dass ist hier nicht der Fall.“

Jens Franssen, VRT-Journalist und Verteidigungsspezialist

Aktuell liegt die „Leopold I.“ am Kai des niederländischen Hafens von Den Helder, von wo aus sie eigentlich zum Nato-Marinemanöver „Joint Warrior“ auslaufen sollte, um danach am Britischen FOST-Trainingsprogramm (Fleet Operational Sea Training) teilzunehmen.

Besonders peinlich ist, dass diese Fregatte zur permanenten Nato-Aufgabengruppe Standing NATO Maritime Group 1 (SNMG1) gehört, von der erwartet wird, dass die dazugehörigen Schiffe immer direkt einsatzbereit sind. An „Joint Warrior“ nehmen Schiffe, U-Boote, Flugzeuge, Hubschrauber und auch Bodentruppen teil (54 Schiffe aus 12 Ländern - ohne Belgien).

Es ist in den Augen vieler belgischer Marineangehöriger tragisch und peinlich, dass gerade diese jungen Rekruten darauf verzichten müssen, gerade bei einem solch umfangreichen Manöver, an dem verschiedene Gefechtseinheiten zu Wasser, in der Luft und am Boden dabei zu sein, denn hier können Erfahrungen von unschätzbarem Wert gesammelt werden. Für Belgien und seine Marine ist dies mit Sicherheit eine Blamage auf internationaler Ebene. 

Jorn Urbain - The Belgian Navy

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