Pandora Papers: Neue Dokumente zu Steuerparadiesen - Auch rund 1.200 Belgier werden genannt

Das internationale Konsortium von Investigativ-Journalisten ICIJ, darunter Kollegen der belgischen Printmedien Knack, De Tijd und Le Soir, hat monatelang Dokumente aus den sogenannten Pandora Papers zu geheimen Finanzkonstruktionen in Steuerparadiesen untersucht. Hierbei tauchten die Namen von rund 300 Prominenten aus der ganzen Welt auf - darunter Milliardäre, Showstars, Spitzensportler und hochrangige ehemalige und heute noch aktive Politiker. Doch in diesen Unterlagen werden auch die Namen von rund 1.200 Belgiern genannt. 

Monatelang haben rund 600 Journalisten von etwa 150 Medien an die 12 Millionen Dokumente aus den Pandora Papers untersucht. Dies war die bisher größte journalistische Rechercheaktion weltweit. Die Ergebnisse dieser Arbeit gehen weiter als die Panama Papers, die vor 6 Jahren für Aufsehen sorgten.

Damals wurden die Daten von einer Anwaltskanzlei (Mossack Fronseca) in einem Steuerparadies untersucht, doch jetzt konnten von insgesamt 14 Finanzunternehmen analysiert, die dabei halfen, Finanzkonstruktionen zum Steuern sparen aufzubauen. 

30.000 Belgier

In den rund 12 Millionen Dokumenten tauchen die Angaben von etwa 30.000 Belgiern auf und darunter befinden sich die Namen von 1.217 Landsleuten, die mehr oder weniger prominent sind. Dabei sind 30 Personen, die bereits in den Panama Papers aufgetaucht waren. Die beteiligten belgischen Medien wollen am Dienstag einige Namen nennen.

Bekannt ist nur so viel, dass wieder die reichsten Familien des Landes darunter sind, aber auch ein Krimiautor, ein Chirurg, ein Professor, ein Rapper aus Brüssel, ein Radiomoderator, IT-Fachleute, ein junger Bitcoin-Millionär und der Betreiber eines Anlageberatungsführers, ein Radiomoderator und auch ein Prinz sowie Mitglieder von französischen oder niederländischem Adel, die sich in Belgien niedergelassen haben. Nicht zuletzt tauchen auch die Namen von Kriminellen aus der hiesigen Drogenszene auf. 

Schwarzgeld waschen, Steuern sparen

Alle diese Leute nutzten zweifelhafte Konstruktionen, um entweder Schwarzgeld aus kriminellen Aktivitäten zu waschen oder um Steuern zu sparen, Gewinne aus geschäftlichen oder privaten Aktivitäten vor dem Fiskus zu schützen oder um der Erbschaftssteuer zu entgehen. Manchmal ging es auch darum, eine Luxusjacht günstiger anmelden und nutzen zu können.

Solche Konstruktionen über Steuerparadiese dienen auch nicht selten dazu, Luxus und Besitz vor dem Fiskus zu verbergen, wie z.B. Villen und andere Immobilien, Kunstwerke und Antiquitäten, die nicht selten auch gestohlene Waren sind.

"Nichts zu verbergen?"

Lars Bové, der für die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd an der Recherche beteiligt war, gab gegenüber VRT NWS zu verstehen, dass die Mehrzahl der rund 30.000 Belgier, die bei solchen Finanzkonstruktionen mitmachen, noch nicht einmal illegal vorgehen, doch „warum greift man auf eine Briefkastenfirma zurück, wenn man nichts zu verbergen hat.“

Trotz aller Maßnahmen, die der belgische Fiskus und das hiesige Finanzministerium nach den Panama Papers ergriffen hat, wurden bei den Pandora Papers 1.217 Landsleute auffällig, die laut De Tijd 1.215 Briefkastenfirmen oder Trusts in Steueroasen errichteten. In den Panama Papers tauchten 2016 insgesamt 732 solcher Fälle von Belgiern auf. 

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