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Solvay-Erben, Diamantenhändler, Ex-VRT-Intendant: erste Belgier aus Pandora Papers bekannt

In Belgien haben die Medienhäuser De Tijd, Knack und Le Soir erste Namen von bekannten Belgiern bekanntgegeben, die einen Teil ihres Vermögens in Finanzstrukturen in Steuerparadiesen wie den Britischen Jungferninseln untergebracht haben. Zu den Belgiern gehören u. a. die Erben des Chemiekonzerns Solvay, aber auch der ehemalige Intendant des öffentlich-rechtlichen Rundfunks VRT, Paul Lembrechts, sowie Diamantenhändler und Bänker. 

Zu den Erben von Ernest und Albert Solvay, Gründer des börsennotierten Chemiekonzerns, gehören heute mehrere Familien, die ein Netz von Offshore-Firmen gegründet haben, die nie in den Büchern des Unternehmens auftauchen. Das berichten am Dienstag Le Soir, De Tijd und Knack am Dienstag im Rahmen der internationalen journalistischen Untersuchung über Steueroasen, zurzeit als Pandora Papers in den Schlagzeilen.  

Im Unternehmen Solvac halten fast 2.300 Personen, die mit den historischen Gründern des belgischen Chemieriesen verwandt sind, noch immer Aktien im Wert von mehr als 2,5 Milliarden. An der Spitze von Solvac bestimmt Bernard de Laguiche, der Ur-Ur-Enkel von Alfred Solvay, die Strategie der Familienaktionäre. 

BELGA/PAPEGNIES

In Begleitung mehrerer Familienmitglieder gründete er ein Labyrinth von Offshore-Firmen u. a. in Liechtenstein, Panama, auf den Jungferninseln, in Singapur und in Neuseeland. Diese komplexen Finanzstrukturen sind im Besitz mehrerer hunderttausend Aktien im Wert von mehreren zehn Millionen Euro. 

Um die Existenz dieser Unternehmen geheim zu halten, erteilte die Familie einem entfernten Familienmitglied, das in einer Schweizer Bank arbeitete, systematisch Vollmachten, um sie bei Hauptversammlungen zu vertreten.   

Auf Nachfrage des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) versichert Bernard de Laguiche, dass er diese Unternehmen nicht "zu Steuerzwecken" gegründet habe: "Ich habe das Vermögen meiner Familie immer in gutem Glauben verwaltet und bin allen Meldepflichten gegenüber den Steuerbehörden und Marktaufsichtsbehörden nachgekommen.

Andere bekannte Persönlichkeiten

Neben den Solvay-Familien nennt De Tijd auch mehrere Antwerpener Diamantenhändler, die ein Geflecht von undurchsichtigen Steuerstrukturen nutzen sollen, u. a. Vishal Mehta und sein Vater Baron Dilip Mehta. 

Auch Bänker werden genannt, wie Theo Roussis, ein Direktor der KBC, der bis 2013 an einem Unternehmen auf den Britischen Jungferninseln beteiligt gewesen sein soll, das mit seinem Unternehmen Ravago verbunden ist. Der ehemalige CEO von Petercam, Xavier Van Campenhout, wird in den Dokumenten ebenfalls erwähnt. Er soll einer Stiftung einer Adelsfamilie durch eine Konstruktion in Neuseeland geholfen haben.

Der Name von Wouter Devriendt, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Dexia Bank, wird ebenfalls erwähnt, ebenso wie der von Paul Lembrechts (Fotoarchiv), ehemaliger VRT-Intendant. Sie sollen Anteile an dem Unternehmen Candace Management Limited auf den Britischen Jungferninseln besitzen. 

© Geert Van Hoeymissen

Paul Lembrechts erklärte, er habe nicht gewusst, dass sein Geld an eine Firma in einem Steuerparadies überwiesen wurde. Außerdem war der Betrag im Vergleich zu anderen Fällen recht gering. Insgesamt soll Lembrechts Aktien im Wert von knapp über 23.000 Euro gekauft haben. 

Barend Van den Brande, der Sohn von Luc Van den Brande, dem Vorsitzenden des VRT-Verwaltungsrats, wird ebenfalls in den Pandora Papers erwähnt. Er steht angeblich in Verbindung mit einer Steuerstruktur auf den Jungferninseln. 

Das belgische Finanzamt liest mit ...

Die Verfahren, mit denen Aktien in Offshore-Firmen untergebracht werden, um in Belgien keine Steuern zu zahlen, haben am Dienstag für Kontroversen gesorgt. "Es geht uns nicht in erster Linie darum, Namen zu nennen", sagte Journalist Lars Bové von De Tijd. "Wir versuchen, Vorgänge aufzudecken, die sich im Verborgenen abspielen. Unser Ziel ist es, zu zeigen, was in Steueroasen vor sich geht.”  

Bundesfinanzminister Vincent Van Peteghem (CD&V, Foto) sagte, er verfolge die Enthüllungen der Pandora Papers aufmerksam und werde darauf reagieren. "Die Umgehung von Steuern durch Offshore-Konstruktionen ist eine betrügerische Praxis, das ist unbestreitbar", so der Minister. Er betonte die Bedeutung der internationalen Transparenz bei der Bekämpfung von Steuerbetrug. 

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