Das Stadion von Standard Lüttich in Sclessin (Archivfoto)

Pandora Papers: Fußballclub Standard Lüttich besorgte sich Geld über Steuerparadiese

Standard Lüttich befindet sich schon seit geraumer Zeit in Geldnot. Da die belgischen Banken Fußballvereinen keine Kredite mehr gewähren, müssen sich die Vereine anderswo Geld besorgen. Standard Lüttich hat sich Geld über Wege geliehen, die zu Steuerparadiesen führen, nämlich zu den britischen Jungfraueninseln und zur Insel Samoa.

Nach Recherchen des internationalen Journalisten-Konsortiums ICIJ, zu dem auch die belgischen Medien De Tijd, Knack und Le Soir gehören, hat sich der belgische Erstligaclub Standard Lüttich Mittel über das Mercury Management Inc. beim Star Football Finance Fund geliehen, ein Investmentfonds mit Sitz in Luxemburg. 

Die Gelder liefen offenbar über die Offshore-Steuerparadiese Samoa und Jungfraueninseln, wie die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd dazu meldet. 

Hohe Zinsen

Standard hatte 2018, wie aus den Pandora Papers ersichtlich ist, einen Deal mit dem Star Football Finance Fund geschlossen, nach dem der Fonds dem Club TV-Rechte im Wert von 5 Mio. € zu einem Vorzugspreis von 4,61 Mio. € abkaufen werde, sobald die belgische Pro League (der Verband der belgischen Profifußballvereine) die Rechte ausbezahlt. 

Standard musste für diese Vorfinanzierung allerdings auch Zinsen in Höhe von 7,25 % bezahlen.

Als im April 2021 bekannt wurde, dass Standard Lüttich TV-Rechte an eine deutsche Bank veräußert hatte, um an Mittel zu kommen, sprachen die hiesigen Medien noch von einer „Premiere im belgischen Fußball.“ 

Doch die „Rouches“ hatten sich in aller Diskretion bereits vorher frische Gelder über den Verkauf von Fernsehrechten aus anderer Quelle besorgt…

"Korrekte Recherche"

Der Geschäftsmann Bruno Venanzi, Besitzer von Standard Lüttich (dem früher auch einmal der belgische Energieproduzent Lampiris gehörte), gab gegenüber De Tijd zu verstehen, dass die Recherchen von  ICIJ zum Deal mit dem Star Football Finance Fund korrekt seien: 

„Wir haben diesen Kredit im vereinbarten Zeitraum zurückbezahlt. Wir hätten lieber mit den traditionellen Banken zu besseren Zinsbedingungen gearbeitet, doch die belgischen Banken machen das nicht mehr für Fußballclubs. Diese Art der Vorfinanzierung bietet und auch Sicherheit.“ Davon, dass diese Mittel über Steuerparadiese geflossen seien, habe er aber nichts gewusst, so Venanzi. 

Meist gelesen auf VRT Nachrichten