Staatssicherheit soll untersuchen: Steht die belgische Moslemexekutive unter dem Einfluss ausländischer Staaten?

Laut einer Reportage der VRT-Magazinsendung „Pano“ üben Marokko und die Türkei möglicherweise direkten Einfluss auf die Arbeit der belgischen Moslemexekutive aus. Zudem sollen diese beiden Länder darauf achten, dass z.B. in den Moscheen in Flandern nichts negatives über die jeweiligen Machthaber gesagt wird. Bundesjustizminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD) hat die Staatssicherheit dazu beauftragt, den umstrittenen Verwaltungsrat der Exekutive zu durchleuchten.

Der Verwaltungsrat der Moslemexekutive in Belgien ist tief zerstritten und offenbar haben nur 3 Personen aktuell einen direkten Einfluss auf die Geschehnisse dort. Die anderen Ratsmitglieder, von denen einige „Pano“ Rede und Antwort gestanden haben, werden in nichts mehr mit einbezogen. 

Die Recherchen von „Pano“ haben zudem ergeben, dass einige Mitglieder der Moslemexekutive direkten Bezug zu staatlichen und religiösen Einrichtungen in der Türkei und in Marokko haben. 

Mit der Regelung in Belgien, dass die Verwaltungsratsmitglieder dieses Gremiums unabhängig sein müssen, hat das Ganze offenbar nichts zu tun. Früher war der Einfluss Saudi-Arabiens auf die Exekutive und auf die Große Moschee in Brüssel sehr hoch, doch dieser Einfluss wurde nach einem umfassenden Eingriff des belgischen Staates (nach den islamistischen Anschlägen auf Brüssel 2016) beendet. Offenbar jedoch üben jetzt andere Länder Einfluss auf die Exekutive aus.

"Vehikel" ausländischer Machthaber?

Bundesjustizminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD) reagierte nach der Reportage von „Pano“ und gab gegenüber VRT NWS zu verstehen, dass er die Staatssicherheit damit beauftragen werde, die Moslemexekutive zu durchleuchten: „Wir können nicht mit diesem Vorstand weitermachen. Es ist sehr schwer, mit den Mitgliedern zu arbeiten. Ich stelle einen Mangel an professioneller Arbeit, an Transparenz und an Erneuerung fest.“ Eigentlich sollte die Exekutive mit einem Rat von Erneuerern arbeiten, doch „davon bemerke ich nichts.“

Konkret geht es um den Einfluss von zwei Einrichtungen auf die belgische Moslemexekutive: „Diyanet“ aus der Türkei und das „Rassemblement des Musulmans de Belgique“. Beide sollen „Vehikel für ausländische Behörden“ sein, „die die moslemische Gemeinschaft in Belgien im Griff haben.“ 

Einschüchterung und dubiose Schulbücher

Zeugen sagten gegenüber „Pano“, dass sie in den Botschaften ihres Landes zum Rapport gerufen wurden, nach dem sie sich negativ über die dortigen Machtverhältnisse in ihrer Moschee geäußert hatten. Zudem stellte „Pano“ fest, dass im moslemischen Religionsunterricht in Schulen im belgischen Bundesland Flandern mit Ausgaben des Koran und mit anderen islamischen Büchern gearbeitet werde, die aus der Türkei stammen und von den hiesigen Behörden nicht auf mögliche politische Einflussname überprüft wurden. 

Meist gelesen auf VRT Nachrichten