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Kosten für teures SMA-Medikament werden jetzt doch erstattet

Das Landesamt für die Kranken- und Invalidenversicherung erstattet künftig die Kosten für Zolgensma, einem Medikament zur Behandlung der neuromuskulären Erkrankung Spinale Muskelatrophie (SMA). SMA führt zu fortschreitendem Muskelschwund. Sie wird in der Regel im Säuglingsalter oder in der frühen Kindheit diagnostiziert. Unbehandelt ist sie die häufigste genetisch bedingte Ursache für den Tod von Säuglingen.  

Inzwischen hat der flämische Gesundheitsminister angekündigt, dass das Screening auf SMA zu den sieben seltenen Krankheiten gehören wird, die demnächst in Flandern in die Liste der Krankheiten aufgenommen werden, auf die Neugeborene untersucht werden. 

Das Medikament Zolgensma vom Schweizer Pharmaproduzenten Novartis geriet vor zwei Jahren wegen Baby Pia in die Schlagzeilen. Das kleine Mädchen aus Antwerpen hatte SMA und ihre Eltern wollten, dass sie behandelt wird. Das einzige verfügbare Medikament zur Behandlung der seltenen Krankheit, Zolgensma, war (und ist) jedoch extrem teuer.  

Die Arznei war bei ihrer EU-Einführung im Jahr 2020 mit einem Preis von 1,94 Millionen Euro als das zeitweise teuerste Medikament der Welt bekannt. Die belgische Krankenversicherung bezahlt das Medikament damals nicht zurück. 

Die Eltern von Pia starteten eine Crowdfunding-Aktion, um die 1,94 Millionen Euro aufzubringen, die für die Bezahlung des Medikaments benötigt wurden. Das Geld kam sehr schnell zusammen und für Baby Pia konnte die Behandlung beginnen. 

Historische Zusammenarbeit

Ab jetzt aber erhalten Personen mit SMA in Belgien, den Niederlanden, Irland und Österreich die Kosten für Zolgensma von den jeweiligen staatlichen Krankenkassen ihres Landes erstattet. Die vier EU-Länder haben mit dem Unternehmen, das das Medikament herstellt, eine Vereinbarung getroffen und können es zu einem niedrigeren Preis erwerben. In einer Presseerklärung erklärte das Landesamt für die Kranken- und Invalidenversicherung, dies sei eine "historische Zusammenarbeit" zwischen verschiedenen europäischen Staaten. 

In der Zwischenzeit hat der flämische Gesundheitsminister Wouter Beke (CD&V) erklärt, dass Flandern 2022 oder 2023 damit beginnen wird, Neugeborene auf SMA und sechs andere seltene Krankheiten zu untersuchen. Wenn SMA schnell entdeckt wird, kann die Behandlung frühzeitig beginnen und eine irreparable Schädigung der Gesundheit des Kindes abgewendet werden. In Belgien werden jedes Jahr etwa zehn Babys mit SMA geboren. 

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