Kaum Angebot und hohe Nachfrage: Gebrauchtwagen sind heute teurer als vor Corona

Gebrauchtwagen haben sich in den letzten anderthalb Jahren um 10 bis 15 Prozent verteuert. Das geht aus Zahlen des Automobilverbands Febiac hervor, den die Zeitung De Tijd einsehen konnte. Der Grund sind die fehlenden Computerchips sowie Zweifel und Verzögerungen beim Kauf von Neuwagen. 

Wer heute einen Gebrauchtwagen kaufen will, muss in der Regel viel tiefer in die Tasche greifen als vor der Corona-Krise. Preiserhöhungen von 10 Prozent und mehr für neuere Modelle, Benziner und SUVs sind nach Angaben der Mobilitätsexperten Traxio und Febiac nicht ausgeschlossen. 

"Wir beobachten seit einigen Monaten ein Spannungsverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage", sagt Filip Rylant, Sprecher von Traxio. Der Grund ist der Mangel an Computerchips: "Während der Corona-Krise wurden weniger Autos produziert. Die Autofabrikanten haben weniger Computerchips bestellt. Andere Hersteller von elektronischem Material haben den Platz eingenommen.” 

Die Autofabrikanten müssen auf ihre Chips warten. Das bedeutet auch, dass der Verbraucher seinen Neuwagen nicht so schnell geliefert bekommt und also weniger Gebrauchtwagen auf dem Markt gelangen. Außerdem werden die Leasingverträge verlängert, so dass auch von dieser Seite weniger Mittelzufluss zu verzeichnen ist, stellt Traxio-Sprecher Rylant fest.

Zweifel

Rylant erkennt noch einen anderen Faktor, der zu dem Spannungsfeld beiträgt: "Auch wer dringend ein neues Auto braucht, zum Beispiel nach einem Unfall, wird mit langen Lieferzeiten konfrontiert und ist gezwungen, sich auf dem Gebrauchtmarkt umzusehen". 

Aber auch in weniger dringenden Fällen suchen die Menschen jetzt verstärkt nach Gebrauchtwagen. Grund dafür sind strengere Emissionsnormen und mögliche Änderungen bei der Kfz-Steuer. "Die Leute zweifeln, ob sie die richtige Wahl treffen, wenn sie ein Benzin- oder Dieselfahrzeug kaufen. Deswegen kaufen sie jetzt lieber einen Gebrauchtwagen, der preiswerter ist.  

Traxio geht davon aus, dass der Chipmangel bis Mitte 2022 behoben sein wird. Das Angebot wird dann wieder größer und der Preis eines Gebrauchtwagens wird erträglicher. "Wir rechnen jetzt mit einer Normalisierung innerhalb von sechs bis neun Monaten", sagt er. 

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