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Frankreich verschärft Grenzkontrollen: "50 % der Migranten kommen über Belgien"

Frankreich wird die Grenzkontrollen an der Grenze zu Belgien verschärfen. Das hat der französische Innenminister Gérald Darmanin angekündigt. Laut Darmanin kommt die Hälfte aller Migranten, die von Frankreich nach England gelangen wollen, über Belgien. Deshalb fordert er die belgische Polizei auf, auch die Grenzen besser zu kontrollieren. Die belgische Innenministerin Annelies Verlinden (CD&V) hat reagiert: "Es ist keine Lösung, nur die Nachbarländer zur Verantwortung zu rufen.” 

Frankreich und das Vereinigte Königreich werden nach wie vor mit dem Problem der Migranten konfrontiert, die den Ärmelkanal nach England überqueren wollen. 

In diesem Jahr haben bereits rund 17.000 Migranten die Überfahrt in kleinen Booten geschafft. Das ist doppelt so viel wie im letzten Jahr. Die Briten haben die Franzosen dafür kritisiert, dass sie nicht genug getan hätten, um die Überfahrten zu verhindern. Frankreich wiederum zielt nun auf Belgien.  

Erst gestern zeigte der britische Sender Sky News Bilder von Migranten, die in ein Boot steigen, während die französische Polizei zuschaut.  

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Der französische Innenminister Gérald Darmanin besuchte am Samstag Calais und Dünkirchen. Nach diesem Besuch kündigte er an, dass er die Grenzkontrollen zwischen Belgien und Frankreich verschärfen werde. 

Im französischen Fernsehen sagte Darmanin, dass 50 Prozent der Migranten, die in Nord-Pas-de-Calais ankommen, über die belgische Grenze einreisen würden: “Wir müssen uns also anpassen und die Grenzkontrollen verstärken. Wir bitten unsere belgischen Freunde, die gleiche Arbeit auf ihrer Seite zu leisten.” 

Konkret wird Darmanin den Präfekten der Region auffordern, die Grenzkontrollen entlang der Grenze zu Belgien im gesamten nördlichen Departement, südlich der französischen Stadt Valenciennes, zu verstärken. 

Darmanin sagt, dass die Bemühungen der französischen Polizei Früchte tragen: "Allein im September haben wir 180 Menschenschmuggler festgenommen; die Zahl der festgenommenen Migranten hat sich ebenfalls verdoppelt. Unsere Strategie funktioniert also", so Frankreichs Innenminister.

Wenig Verständnis von Innenministerin Verlinden

Darmanins Appel stößt bei seiner belgischen Kollegin, Innenministerin Annelies Verlinden (CD&V), auf wenig Verständnis: "Ich glaube nicht, dass es für ein Land von Vorteil ist, mit dem Finger auf andere zu zeigen und nach einem Schuldigen zu suchen", sagte Verlinden auf VRT NWS: “Wir müssen gemeinsam eine Lösung für das Problem der Transmigranten finden, das eine europäische Harmonisierung und Koordinierung erfordert", auch in Absprache mit dem Vereinigten Königreich. "Nur die Nachbarländer in die Pflicht zu nehmen, ist meines Erachtens keine Lösung". 

Verlinden weist darauf hin, dass sie in den letzten Tagen bereits mit mehreren europäischen Kollegen Kontakt aufgenommen hat, um dieses Thema zu besprechen. 

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