Sexuelle Belästigung und Stalking: Prozess gegen den früheren VRT-TV-Moderator Bart De Pauw gestartet

In Mechelen in der Provinz Antwerpen hat am Mittwochmorgen der Prozess gegen den bekannten flämischen TV-Produzenten und VRT-Moderator Bart De Pauw (Foto) begonnen. Die Verhandlung vor dem Strafgericht von Mechelen wird in Flandern von den  Medien mit besonderem Interesse verfolgt. De Pauw wird vorgeworfen, mehrere Frauen belästigt und gestalkt zu haben. Nach dem ersten Prozesstag forderte der Staatsanwalt 1 Jahr Haft auf Bewährung. 

Bart De Pauw soll mehrere Frauen sexuell belästigt und mit Hunderten SMS-Berichten gestalkt haben. 9 von 13 dieser Frauen - Schauspielerinnen, Mitarbeiterinnen seiner Redaktionen, Praktikantinnen - haben gegen De Pauw geklagt. Ihnen geht es nach eigenen Angaben nicht um Geld - sie fordern lediglich einen symbolischen Euro. Sie wollen gehört und als Opfer anerkannt werden.

Der Fall De Pauw genießt im belgischen Bundesland Flandern großes Medieninteresse und kam vor vier Jahren ins Rollen, als De Pauw der Öffentlichkeit selbst mitteilte, dass er nach ersten Aussagen von Frauen, die er belästigt haben soll, nicht mehr für unser Haus, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk des belgischen Bundeslandes Flandern, VRT, arbeiten werde.

Die VRT-Direktion hatte die Zusammenarbeit mit ihm am 9. November 2017 aufgekündigt, nach dem Vorwürfe gegen ihn laut wurden. Kurz darauf nahm die Staatsanwaltschaft von Antwerpen Ermittlungen gegen den flämischen Fernseh- und Medienstar auf. Insgesamt gab es im Vorfeld dieser Verhandlung 80 Verhöre. Der Angeklagte selbst wurde 4 Mal verhört.

Bevor Bart De Pauw bei der VRT als Produzent und Moderator tätig wurde, war er nach Angaben einer Anwältin der Klägerinnen schon bei seinem früheren Arbeitgeber, der TV-Produktionsgesellschaft Woesteinvis, einschlägig negativ aufgefallen. Dort habe ihm seinerzeit schon Wouter Vandenhaute, der Gründer dieses Unternehmen, nach ähnlichen Vorwürfen „auf die Finger getickt“. 

Vor dem Strafgericht von Mechelen sind 2 Verhandlungstage angesetzt. Bart De Pauw drohen bei einer Verurteilung zwischen 15 Tagen und 2 Jahren Haft. Daneben könnte eine Geldstrafe von bis zu 2.400 € fällig werden. Neben den Frauen hat auch das Zentrum für Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern in Belgien Anzeige gegen De Pauw erstattet. 

Am Ende des ersten Prozesstages forderte die Staatsanwaltschaft ein Jahr Haft auf Bewährung. Der zuständige Staatsanwalt sagte dazu, dass De Pauw mit Sicherheit kein Harvey Weinstein sei - De Pauw hat niemanden vergewaltigt, doch er habe seine Machtposition ausgenutzt: "Bei ihm fehlt aber jedes Schuldgefühl." 

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