Drei Monate nach dem Hochwasser im Wesertal: Noch immer wird aufgeräumt und noch immer kommen Freiwillige helfen

Reporter der VRT-Magazinsendung „Pano“ haben sich rund drei Monate nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe im Wesertal in der Provinz Lüttich umgesehen und mit freiwilligen Helfern unterhalten, die noch immer Wochenende für Wochenende in die betroffenen Gemeinden kommen, um den Menschen dort beim Aufräumen zu helfen. Sie zeichnen ein trauriges Bild…

„Im Winter wird es Tote geben“, glauben nicht wenige der freiwilligen Helfer, die noch immer in den Städten und Gemeinden im Wesertal aktiv sind. Viele der Betroffenen dort stehen nach wie vor vor dem Nichts und sprechen davon, dass sie kaum noch Lebensmut haben. Angst hätten die Bewohner von Gemeinden wie Pepinster, Prayon, Chaudfontaine oder Trooz und zwar vor dem kommenden dunklen Winter und davor, dass sie bis dahin teilweise weder Strom noch Gas oder Wasser haben.

Freundschaften und Vertrauen

In einer flämischen Facebook-Gruppe von freiwilligen Helfern ist immer noch zu lesen, dass man von dort aus mit Haushaltsgeräten, wie Kühlschränken, Mikrowellenherden, Kaffeemaschinen oder Wasserkochern und auch mit Kleidung und Spielzeug ins Wesertal fährt und dass Möbel und Wohnungen gesucht werden. Dutzende Freiwillige, nicht nur aus Flandern, sondern auch aus allen anderen Landesteilen in Belgien fahren noch jedes Wochenende runter, um dort zu helfen.

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Inzwischen bilden sich Freundschaften und die Betroffenen fassen Vertrauen zu den freiwilligen Helfern, die mancherorts fast als einzige noch dort aktiv sind. Manchmal tauchen die Behörden kaum noch oder gar nicht mehr auf und von angekündigten Hilfemaßnahmen und von den Infobussen von den Versicherungen hören und sehen die Betroffenen nicht viel. Wie auch, denn ohne Strom und Internet sind sie von der Öffentlichkeit quasi ausgeschlossen und bekommen kaum Informationen…

Ängste

Die Ängste im Wesertal sind groß. Viele fürchten sich vor dem langen, kalten und dunklen Winter und die, die wieder Strom, Wasser und Gas haben, nutzen diese kaum angesichts von auch in Belgien stark steigenden Energierechnungen. Mira, eine Flamin, die seit rund 10 Wochen im Wesertal aktiv ist, warnt gegenüber „Pano“ vor schlimmen Folgen: „Einige bekommen schon panische Angst, wenn es nur regnet.“

Angst haben viele auch, weil sie sich um sich und ihre Angehörigen Sorgen machen, z.B. um die Kinder, die teilweise noch nicht zur Schule gehen können oder um die Älteren, die krank werden können. Ein Grund für Krankheiten und Erkältungen ist die Tatsache, dass die meisten betroffenen Häuser und Wohnungen feucht und schimmelig sind, denn Trockengeräte und Wärmegebläse sind weit und breit keine zu finden, zumindest keine, die man zu vernünftigen Preisen mieten kann.

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Lebensmittelversorgung

Die freiwilligen Helfer bringen auch oft Mahlzeiten oder Lebensmittel mit ins Wesertal, denn das Rote Kreuz oder die Armee sind nicht überall. Manchmal, so An, eine ebenfalls aus Flandern stammende Freiwillige, „können ältere Leute das Essen nicht selbst abholen, weil sie krank oder invalide sind. Es kann doch nicht sein, dass es Leute gibt, die Hunger haben oder die lange Zeit keine warme Mahlzeit bekommen!“ Nach Ansicht von An schieben sich das Rote Kreuz und das Sozialamt in Chaudfontaine, wo sie aktiv ist, die Schuld daran gegenseitig zu. An sieht die Fehler bei beiden Einrichtungen…

Das Rote Kreuz reagiert

Das Croix Rouge de Belgique, das ist das wallonische Rote Kreuz, hat die Koordination der Essensverteilung erst kürzlich von der Armee übernommen. RK-Sprecherin Nancy Ferroni sagte zu den Vorwürfen der Freiwilligen gegenüber „Pano“, dass man sehr aktiv sei: „Wir verteilen pro Tag 12.000 warme Mahlzeiten an 22 Standorten und mehrere hundert Portionen bringen wir zu den Leuten nach Hause. Wir arbeiten eng mit den Freiwilligen zusammen, doch wir rufen auch weiter dazu auf, uns zu unterstützen.“

Bis April will das Rote Kreuz die rund 40 Mio. € an Spenden, die inzwischen in Belgien für die Hochwasseropfer zusammengekommen sind, unter den Bedürftigen verteilt haben. Schon jetzt seien rund 7 Mio. € ausgezahlt worden, so Ferroni. Das meiste Geld sei für Ersthilfemaßnahmen, für die Evakuierung von Wohn- und Pflegeheimen, für Mahlzeiten und Wasser sowie für Feldbetten verwendet worden. 

Nicolas Maeterlinck

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