Prozess gegen Belgien wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Kolonialzeit im Kongo

An diesem Donnerstag beginnt in Brüssel der erste Prozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zeitraum der belgischen Kolonie im Kongo. Geklagt haben 5 Frauen, Töchter einer kongolesischen Mutter und eines weißen belgischen Vaters. Sie reichten Klage gegen Belgien wegen Entführung und Misshandlung aufgrund ihrer Hautfarbe ein.

Die 5 Frauen kamen in der ehemaligen belgischen Kolonie Kongo in den 1950er Jahren zur Welt. Sie wurden dort ihren Müttern entrissen, weil sie „weder schwarz noch weiß“ waren. Missionare und die belgischen Behörden in der Kolonie brachten diese Kinder, die „Kinder der Sünde“ genannt wurden, zumeist in katholischen Einrichtungen im Kongo unter.

Dort waren sie völlig rechtlos den Misshandlungen der dort tätigen Geistlichen und Nonnen ausgeliefert waren. Die heute über 70 Jahre alten Frauen wuchsen z.B. in einem Waisenhaus der Mission in Katende im Kongo auf.

Vor zwei Jahren hatte sich der damalige belgische Premierminister und heutige EU-Ratsvorsitzende Charles Michel (MR) im Namen Belgiens für das Leid, dass den Menschen in den ehemaligen Kolonien Kongo, Ruanda und Burundi angetan wurde, entschuldigt, doch dies ging den 5 jetzt klagenden Frauen nicht weit genug.

Sie fordern vor einem Brüsseler Gericht jetzt jeweils eine Entschädigung von 50.000 € und die Einsetzung eines Psychologen oder Psychiaters, der ihre damals erlittenen psychischen Schäden belegt. Eine der Klägerinnen sagte gegenüber der flämischen Tageszeitung Het Nieuwsblad: „Belgien hat uns unsere Kindheit, unsere Jugend, unsere Unschuld und unsere Wurzeln genommen.“ 

Meist gelesen auf VRT Nachrichten