Die Krankenhäuser wollen Pflegepersonal, dass sich nicht gegen Corona impfen lassen will, entlassen können

Die Krankenhausverbände in Belgien bitten Bundesgesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit) darum, sich mit der Frage zu befassen, ob Pflegepersonal, dass sich nicht gegen das Coronavirus Covid-19 impfen lassen will, suspendiert oder sogar entlassen werden kann. Dies meldet die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd und dieser Vorgang wurde von Margot Cloet vom flämischen Pflegenetzwerk Zorgnet-Icuro gegenüber VRT NWS bestätigt.

Ende August hatte der Konzertierungsausschuss in Sachen Corona aus Bund, Ländern und Regionen in Belgien beschlossen, dass sich das Pflege- und medizinische Krankenhauspersonal in Belgien gegen Corona impfen lassen muss. Doch um dies per Gesetz verpflichten zu können, musste erst noch ein Gutachten eingeholt werden, u.a. beim Nationalen Arbeitsrat, in dem auch die Arbeitgeber und die Gewerkschaften vertreten sind.

Bei den Arbeitgebern hat auch das Zorgnet-Icuro einen Sitz. Das ist das größte Netzwerk von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern im belgischen Bundesland Flandern. Und gerade dieses Netzwerk fordert, wie so gut wie alle Krankenhausverbände in Belgien, dass die Impfpflicht für das Pflegepersonal in ein Gesetz gefasst werden muss und dies möglichst rasch.

Wir fordern, dass in ein Gesetz aufgenommen werden soll, dass sich Leute, die im Pflegebereich arbeiten, verpflichtet impfen lassen müssen.“

Margot Cloet, Pflegenetzwerk Zorgnet-Icuro

Margot Cloet, die Leiterin von Zorgnet-Icuro, war am Mittwochmorgen in dieser Frage gegenüber VRT NWS deutlich: „Wir fordern, dass in ein Gesetz aufgenommen werden soll, dass sich Leute, die im Pflegebereich arbeiten, verpflichtet impfen lassen müssen.“ Wer sich nicht sofort impfen lassen will, der soll nach Ansicht von Cloet 2 bis 3 Monate Zeit bekommen, um darüber nachzudenken, „doch wenn sie sich dann noch immer nicht impfen lassen wollen, wollen wir, dass sie entlassen werden können.“

Hohe Impfquote in Flandern - Gewerkschaften zögern

Matgot Cloet bemerkt am Rande allerdings, dass die Impfquote beim Pflegepersonal in Flandern sehr hoch liegt - schätzungsweise bei etwa 95 %, „doch der kleine Rest, der sich nicht impfen lassen will, bedeutet ein großes Risiko sowohl für die Bewohner und Patienten, als auch für die anderen Kollegen. Wir müssen alles daran setzen, einen Impfgrad von 100 % beim Pflegepersonal zu erreichen. Wir haben eine Vorbildfunktion.“

Jetzt ist es an der belgischen Bundesregierung, sich damit eingehend zu befassen. In der Wallonie und in der Brüsseler Hauptstadt-Region ist die Impfbereitschaft auch beim medizinischen Personal bei weitem nicht so groß, wie in Flandern. Den Gewerkschaften geht die Drohung der Krankenhausverbände zu weit. Hier ist man nicht wirklich damit einverstanden, Impfverweigerer schlussendlich auch entlassen zu können. 

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