"Die 4. Welle hat begonnen - Die Zahlen werden in den nächsten Tagen stark steigen"

Belgiens Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit - Foto) sagte am Mittwochabend in der VRT-TV-Sendung „Terzake“ („Zur Sache“), dass die 4. Coronawelle ein Fakt sei und dass die Zahlen der neuen Ansteckungen mit Covid-19 und der Krankenhausaufnahmen in den kommenden Tagen stark absteigen würden. Der flämische Sozialist ruft dazu auf, die Mundmaske vorläufig weiter zu tragen, auch wenn dies nicht mehr überall verpflichtet ist.

Aber, Bundesgesundheitsminister Vandenbroucke ist nicht der Ansicht, dass jetzt Grund zur Panik ist, doch man müsse wachsam und vorsichtig bleiben: „Die Zahlen sind nicht gut. Wir befinden uns deutlich in der 4. Welle. Das war an sich zu erwarten, doch wir werden in den kommenden Tagen noch eine sehr starke Steigung der Zahlen sehen. Er wird leider auch ein steiler Anstieg bei den Krankenhausaufnahmen geben. Wir müssen uns anstrengen, um diese 4. Welle anzugehen.“

Für den Gesundheitsminister bleibt das Tragen von Mundmasken weiter eine Empfehlung: „Die Mundmaske bleibt ein nützliches Instrument, gerade auch dann, wenn man sich in einem geschlossenen Raum befindet.“

Zu wenig Geimpfte

Noch seien nicht alle gegen Corona geimpft, bedauert Vandenbroucke, auch nicht in Flandern: „Wenn man sich die flämischen Gemeinden rund um Brüssel anschaut - Asse, Zaventem, Vilvoorde, Sint-Pieters-Leeuw - stellt man fest, dass dort die Impfung unzureichend ist. Das gilt auch für Antwerpen. Dort laufen 70.000 Erwachsene herum, die nicht geimpft sind. Das ist nicht gut.“

Der Minister erinnert auch daran, dass über die Hälfte der Corona-Patienten, die in Krankenhäusern behandelt werden, nicht geimpft sind und auch deshalb plädiert er für eine Ausweitung des Covid Safe Tickets (CST). 

Er werde Bürgermeistern, die mit einem Coronapass arbeiten wollen, dazu die Zustimmung erteilen, so Vandenbroucke in „Terzake“.

Allerdings wird diese Zuständigkeit Anfang November von der Bundesregierung an die Länder und Regionen weitergereicht. Hier appelliert Vandenbroucke an die Landesregierungen - besonders an Flandern, Bürgermeistern, die das auch wollen, die Zustimmung zu erteilen. In der Wallonie wird das CST ab dem 1. November eingeführt und soll voraussichtlich bis zum 15. Januar verpflichtet bleiben. 

Impfung im Pflege- und Gesundheitsbereich

Gesundheitsminister Vandenbroucke geht davon aus, dass die Impfpflicht für das Pflegepersonal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen in Belgien kommen wird und wenn es von ihm abhängt, sogar noch vor Weihnachten: „Der Gesetzestext besteht bereits in einer ersten Version. Wir werden noch darüber nachdenken und dann wird der Text der Regierung vorgelegt. Ich hoffe, das darüber noch vor Weihnachten abgestimmt werden kann, doch ich bin nicht sicher, dass das noch gelingt. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass im kommenden Sommer noch Leute im Pflegebereich arbeiten, die nicht geimpft sind."

Konzertierungsausschuss

Am Freitag, den 29. Oktober, trifft sich der Konzertierungsausschuss von Bund, Ländern und Regionen in Belgien in Sachen Coronakrise zu seiner nächsten Sitzung. 

Ob es dann angesichts der wieder schnell steigenden Coronazahlen zu neuen Verschärfungen der entsprechenden Regelungen und Maßnahmen kommen wird, bleibt abzuwarten. Auch das Thema Impfung im Gesundheitsbereich wird dort auf der Tagesordnung stehen. 

Kontaktracing

Inzwischen fragen sich die Mitarbeiter der Callcenter zur Kontaktverfolgung von mit Corona infizizerten Personen, ob sich ihre Arbeit überhaupt noch lohnt. "Die Leute kennen ihre Kontakte heute nicht mehr", heißt es von dieser Seite her. Das bedeutet, dass sich inzwischen wohl mehr Menschen in der Öffentlichkeit mit dem Coronavirus anstecken, als vielleicht im privaten Kreis. 

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