"Noch keine wissenschaftliche Basis für eine dritte Coronaimpfung für alle"

Dirk Ramaekers (Foto), Leiter der Impf-Taskforce der belgischen Regierung, hält derzeit noch nichts von einer allgemeinen dritten Impfung gegen das Coronavirus. Ihm fehlen die Belege dafür, dass die Immunität gegen das Virus bei der jungen, gesunden und geimpften Bevölkerung zurückgeht: „Es gibt jetzt noch keine wissenschaftliche Basis für eine dritte Coronaimpfung für alle.“ Ramaeckers reagiert damit auf den Vorstoß der flämischen Landesregierung, der gesamten Bevölkerung eine „Boosterimpfung“ gegen das Virus geben zu wollen.

Nach den Bewohnern von Senioren- und Pflegeheimen, Personen mit Immunschwäche und den Über-65-Jährigen will die flämische Landesregierung auch dem Rest der Bevölkerung die Möglichkeit bieten, sich mit einer dritten Impfung gegen Covid-19 zu schützen. 

Damit soll der Schutz einer breiten Bevölkerung gegen Corona besser gewährleistet werden.Flanderns Landesgesundheitsminister Wouter Beke (CD&V) ist der Ansicht, dass es zunehmend evident werde, dass angesichts der höheren Ansteckungszahlen eine dritte Impfung einen Sinn habe: „Wir bitten jetzt die Wissenschaftler des Hohen Gesundheitsrates, um dazu schnell Deutlichkeit und Erklärungen zu geben.“

Ich würde gerne wissen, was der wissenschaftliche Unterbau ist, auf den sich die flämische Regierung beruft, um eine dritte Impfung anzukündigen.“

Dirk Ramaekers, Leiter der belgischen Impf-Taskforce

Impf-Task Force-Leiter Ramaekers erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass sowohl seine Behörde, als auch der Hohe Gesundheitsrat stets so wissenschaftlich wie nur eben möglich zu Werke gehen: „Wir beobachten die Situation weltweit. Seit dem Sommer tragen wir auch Rechnung mit der Tatsache, dass die allgemeine Bevölkerung potentiell eine dritte Impfung erhalten kann, doch dies muss auf Basis von wissenschaftlichen Argumenten erfolgen. Ich würde gerne wissen, was der wissenschaftliche Unterbau ist, auf den sich die flämische Regierung beruft, um eine dritte Impfung anzukündigen.“

Warum wird nicht auf die einfachen Maßnahmen, die gerade ihren Nutzen erwiesen haben, wie die Mundmaske und das Covid Safe Ticket, geschaut?“

Dirk Ramaekers, Leiter der belgischen Impf-Taskforce

Ramaekers bringt in diesem Kontext auch ein ethisches Element ein: „Die Top-Priorität ist jetzt, Impfdosen Ländern zu spenden, in denen noch wenige Menschen geimpft sind. Wir haben etwa 3 Millionen Dosen Covax gespendet und es werden noch mehr.“ Covax ist das internationale Impfprogramm für die Impfkampagnen in Afrika.

Überdies, so der Leiter der Impf-Taskforce, ist eine allgemeine dritte Impfung keine Lösung, um die steigenden Coronazahlen in den Griff zu bekommen und zu stoppen: „Warum wird nicht auf die einfachen Maßnahmen, die gerade ihren Nutzen erwiesen haben, wie die Mundmaske und das Covid Safe Ticket, geschaut?“

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