Aktion gegen Kokainhandel: 64 Verhaftungen, 6 Drogenlabors ausgehoben, 57 Luxusfahrzeuge beschlagnahmt

Die Polizei hat Dienstagmorgen bei einer groß angelegten Aktion gegen den Kokainhandel mehr als 100 Orte in Belgien durchsucht. Wie die Staatsanwaltschaft auf einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag bekanntgab, wurde 64 Personen verhaftet, 6 Drogenlabore ausgehoben und 57 Luxusfahrzeuge beschlagnahmt. Der Schwerpunkt der Razzia lag in Brüssel. Die Durchsuchungen wurden auf der Grundlage von Informationen durchgeführt, die die Ermittler aus verschlüsselten Sky-ECC-Telefonen lesen konnten. 

Bei der Aktion, die um 4 Uhr morgens begann, waren 1100 Polizisten im Einsatz. Auch Sonderkommandos waren aufgerufen worden, da mehrere gesuchte Verdächtige als gefährlich und schwer bewaffnet bekannt sind. 

Bei den Razzien, die zum größtenteil in der Region Brüssel, insbesondere in Sint-Joost-ten-Node und Ukkel stattfanden, wurden 6 Drogenlabore, darunter eine Kokainwäscherei und Räume, in denen Drogen verpackt und gelagert wurden, entdeckt. 

64 Personen wurden festgenommen. Es handelt sich um Mitglieder einer kriminellen Vereinigung, die im Verdacht steht, Kokain zwischen Südamerika und Europa zu schmuggeln. Darüber hinaus wurden Dutzende von Schusswaffen und 57 Luxusfahrzeuge beschlagnahmt. Das sagte der Generalstaatsanwalt in einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag. 

"Neben den sechs Kokain-Extraktionslabors wurden auch tonnenweise Produkte und verschiedene Materialien gefunden, die wahrscheinlich mit Kokain imprägniert waren", gab die Generalstaatsanwaltschaft bekannt. Außerdem wurden Dutzende von Flaschen mit chemischen Produkten und ein Dutzend Schusswaffen gefunden.  Insgesamt wurden 57 Fahrzeuge beschlagnahmt, darunter mehrere Luxusfahrzeuge. 

"Außerdem haben wir eine große Menge an Goldmünzen, eine Geldzählmaschine, rund 1 Million Euro Bargeld und 300 m³ geschmuggelten Tabak sichergestellt. Wir haben auch Schutzausrüstung der kriminellen Vereinigung beschlagnahmt, u. a.  Störsender, Drohnen und Antriebsmotoren für Taucher."

Unter anderem soll die albanische Mafia im Fadenkreuz der Operation stehen. Die albanische Mafia spielt eine immer wichtigere Rolle beim Kokainhandel über den Hafen von Antwerpen und beim Menschenschmuggel in das Vereinigte Königreich, für den unser Land ein Transitland ist. Im März 2020 vor dem Eintritt des Corona-Lockdowns waren hohe belgische Polizeibeamte nach Albanien gereist, um die bestehende polizeiliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern zu stärken. 

Neues Ausmaß der Kriminalität in Brüssel entdeckt

Auf der Pressekonferenz betonte Eric Jacobs, Direktor der Bundeskriminalpolizei Brüssel, die Bedeutung der groß angelegten Polizeiaktion. "Heute haben wir eine neue kriminelle Welt auf dem Gebiet von Brüssel entdeckt", sagt er.  Bis jetzt war es ihr gelungen, weitgehend unentdeckt zu bleiben. 

"Innerhalb dieser kriminellen Organisation werden beträchtliche Summen an Bargeld gehandelt. Sie wendet sich über Strohmänner an belgische und ausländische Unternehmen und nutzt Korruption, Drohungen und Gewalt, sogar Mord, um ihre Ziele zu erreichen", so Jacobs. 

"Wir wussten bereits, dass der Hafen von Antwerpen der größte Importhafen für Kokain ist, aber jetzt sehen wir deutlich, dass die Mafia im ganzen Land aktiv ist", sagte Eric Snoeck.  So weitet die Mafia ihre Aktivitäten u. a. auf Brüssel, Limburg, Lüttich und Charleroi aus.  

"Die aufgedeckten Tatsachen sind so gefährlich für unsere Gesellschaft, dass es wichtig ist, zu handeln", fügte der Bundesstaatsanwalt Frédéric Van Leeuw während der Presseveranstaltung hinzu. "Da Belgien eine zentrale Rolle bei der Einfuhr und dem Vertrieb von Kokain aus ganz Europa zu spielen scheint, haben wir eine große Verantwortung gegenüber internationalen Partnern." 

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Dritte große Operation binnen einer Woche

Bereits im März 2021 hatte die Polizei die größte Aktion je gegen die Drogenmaffia in Belgien durchgeführt, nachdem es den Ermittlern gelungen war die Berichte aus verschlüsselten Sky-ECC-Telefonen zu lesen, mit denen mutmaßliche Drogenkriminelle kommunizieren. In der Folge der "Operation Sky" wurden mehrere Netzwerke innerhalb der Drogenwelt zerschlagen und mehrere Personen verhaftet. 

Gestern wurden in Antwerpen zehn Verdächtige festgenommen, die Drogen in den Hafen geschmuggelt haben sollen, und Anfang letzter Woche wurde nach Durchsuchungen an verschiedenen Orten in unserem Land eine große Drogenbande gefasst. Der Schwerpunkt des Geschehens soll heute Morgen in Brüssel liegen. 

Vergangene Woche war der Polizei ein Schlag gegen die Drogenmafia in Lüttich gelungen. 

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