foto Peter Hilz (C)

Für die Hausärzte ist das Maß voll: Hochrisikokontakte werden nicht mehr getest

Die belgischen Hausärzte wollen nur noch kranke Patienten testen, nicht aber mehr Personen, die in engem Kontakt mit Corona-Infizierten waren und zu den Hochrisikokontakten zählen. Das hat Domus Medica, der Verband der Allgemeinmediziner, in einer Presseerklärung mitgeteilt. Hausarztpraxen und Warteräume sind derzeit wegen der drastischen Zunahme der Corona-Infektionen überlastet, heißt es.

Flandern gehört zwar zur Spitzengruppe der durchgeimpften Regionen in Europa, aber der massive Anstieg der Corona-Infektionen wirkt sich jetzt auf die Praxen und Wartezimmer aus. Für die Überlastung sorgen nicht so sehr die vielen Kranken, sondern eher die vielen Hochrisikokontakte, die ebenfalls getestet werden müssen. 

"Tests und die Rückverfolgung von Kontaktpersonen sind ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung einer Pandemie, solange die Viruszirkulation unter einem bestimmten Schwellenwert bleibt", so der Hausärzteverband Domus Medica in einer Pressemitteilung. "Diese Schwelle haben wir längst überschritten. Massentests und die Rückverfolgung von Kontaktpersonen sind einfach nicht mehr machbar. In vielen Zentren muss man heute schon zwei oder drei Tage warten, bis man getestet werden kann." 

Hinzu kommt, dass die Zahl der (hauptsächlich verbalen) Aggressionen gegen Allgemeinmediziner in letzter Zeit ebenfalls zugenommen hat. "Das Bereitschaftspersonal hat das vergangene Wochenende als das schlimmste seit der Pandemie beschrieben.”

"Wirklich Kranke tragen die Hauptlast"

Es stört die Hausärzte, dass für die Behörden und ihre Corona-Strategie scheinbar nur die Zahl der Krankenhausaufnahmen zählen. Die Hausärzte haben in den letzten Tagen, um Maßnahmen gebettelt, wurden aber nicht erhört. Dagegen erfordern die vielen Tests, das arbeitsintensive Kontakttracing und die Beratung der Personen, die einen Risikokontakt hatten, viele Ressourcen, die den wirklich schwerkranken Patienten entgehen. Auch allen nicht Corona-Patienten schadet dieser Ansatz.  

Deswegen weigern sich die belgischen Hausärzte jetzt, noch Hochrisikokontakte zu testen. Sie wollen sich nur noch auf kranke Patienten konzentrieren. 

Die Hausärzte bedauern, dass sich das Virus dadurch noch schneller verbreiten kann und die Krankenhäuser die Folgen zu spüren bekommen werden: “Aber auch sie werden verstehen, dass wir diese Notbremse ziehen müssen, um zu überleben.” 

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