Rund um 3M-Werk: Fast 60 % der Einwohner haben zu hohen PFOS-Gehalt im Blut

Die flämische Gesundheitsagentur hat Blutproben von fast 800 Personen in Zwijndrecht untersucht, die in einem Umkreis von drei Kilometern um das 3M-Chemiewerk leben: 59 Prozent der analysierten Proben wiesen zu viel PFOS im Blut auf. Besonders hoch ist die PFOS-Konzentration bei den Bürgern, die in direkter Nähe zum Chemiewerk wohnen.

Laut der Forscher bedeutet eine Überschreitung dieser Werte nicht, dass ein unmittelbares Gesundheitsrisiko besteht. Langfristige Auswirkungen sind jedoch nicht auszuschließen, so die flämische Gesundheitsagentur. Es wurden auch andere Risikofaktoren ermittelt. So können bestimmte Berufe, bei denen man mit Produkten aus der PFAS-Familie in Berührung kommt - wie z. B. Feuerlöschschaum - zu erhöhten Konzentrationen von Per- und Polyfluoralkylsubstanzen im Blut führen.   

Für die flämische Gesundheitsagentur muss die Freisetzung von PFOS und PFAS durch 3M jedoch gestoppt werden und muss beim Verursacher angesetzt werden, damit die Bevölkerung den Schadstoffen nicht mehr länger ausgesetzt ist. 

Der flämische Gesundheitsminister Wouter Beke erklärte, dass die Präventionsmaßnahmen für die Anwohner des 3M-Werks in Zwijndrecht beibehalten werden, d. h., dass der Verzehr von Gartengemüse, Geflügel, Eiern sowie Grundwasser weiter verboten sind. Das Gebiet, für das diese Präventivmaßnahmen gelten, erstreckt sich auf einen Umkreis von 5 km um das 3M-Werk. 

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Die von der Agentur durchgeführte Studie ergab, dass nur 9 Prozent der getesteten Personen "sichere" Werte im Vergleich zu den Referenzwerten aufwiesen. Andererseits haben etwa 59 % der Einwohner (viel zu) hohe Konzentrationen von PFO in ihrem Blut. Und die restlichen 32 % liegen dazwischen. Im Durchschnitt wurden bei Personen, die näher an der 3M-Fabrik wohnen, höhere Werte gemessen. PFOS sind Chemikalien, die als endokrine Disruptoren eingestuft werden. Vor einigen Monaten wurde im Rahmen von Straßenbauarbeiten in und um das 3M-Werk in Zwijndrecht eine Altlast mit diesen Stoffen entdeckt. 

Zuhal Demir fordert Garantien von 3M

Als Reaktion auf die Ergebnisse der Studie der flämischen Agentur für Pflege und Gesundheit forderte die regionale Umweltministerin Zuhal Demir (Foto), dass 3M innerhalb von zwei Tagen nachweisen müsse, dass es die Anwohner keinen zusätzlichen Risiken aussetze, andernfalls müsse es die Produktionsprozesse, bei denen Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) freigesetzt wird, einstellen. 

In den letzten Monaten war die Kommunikation von 3M mit der flämischen Umweltaufsichtsbehörde mühsam. Darüber hinaus hat das Unternehmen gegen die ihm auferlegten strengeren Emissionsnormen Einspruch eingelegt.

"In den vergangenen zwei Monaten wurden große Anstrengungen unternommen, um 3M zur Ordnung zu rufen", fügte Zuhal Demir hinzu. "Trotz wiederholter Aufforderungen und eines Mahnschreibens fehlen jedoch immer noch wesentliche Informationen. Jetzt gibt es auch besonders schlechte Ergebnisse aus dem Bluttest. Die Geduld hat ihre Grenzen", so der N-VA Minister abschließend. 

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