Trotz langer Verkehrsstaus immer noch weniger Reisende in öffentlichen Verkehrsmitteln

Seit der allmählichen Normalisierung seit der Aufhebung der meisten Einschränkungen infolge von Corona nehmen die Verkehrsstaus in der Stadt und auf den Autobahnen wieder zu. Trotzdem zählen die öffentlichen Verkehrsmittel immer noch deutlich weniger Fahrgäste als vor Corona. Im Oktober beförderte die belgische Bahn nur etwa 80 Prozent ihrer Fahrgäste im Vergleich zu 2019, die Brüsseler MIVB/STIB nur 75 Prozent und De Lijn nur 60 Prozent. Welche Gründe gibt es für die Zurückhaltung gegenüber den öffentlichen Verkehrsmitteln? 

Die geringere Zahl Zugreisender dürfte vor allem auf die ungünstige Corona-Situation in Brüssel zurückzuführen sein. Die Hauptstadt ist die wichtigste Bestimmung für Pendler. Aber in Brüssel waren die Corona-Vorschriften strenger. Außerdem sind dort hauptsächlich Dienstleistungsunternehmen und öffentliche Verwaltungen ansässig. Telearbeit ist also leichter zu bewerkstelligen als in einem Produktionsunternehmen in Flandern.  

Mitte September meldete die Brüsseler Nahverkehrsmittelgesellschaft MIVB/STIB immer noch 28 Prozent weniger Fahrgäste in den Trams und 37 Prozent weniger Fahrgäste in der U-Bahn. Seitdem ist die Zahl der Fahrgäste in den Trams, Bussen und U-Bahnen etwa auf 75 Prozent der Zahl von 2019 gestiegen. Vor allem die U-Bahn hat wieder zugelegt.  

fotografie peter Hilz (C)

Guy Sablon von der STIB/MIVB erklärt die Entwicklung durch die Auswirkungen der Telearbeit in Brüssel. Dass die Leute wegen der Maskenpflicht den öffentlichen Verkehr meiden würden, ist laut Sablon unbegründet: "Unsere Reisenden sind schon seit eineinhalb Jahren daran gewöhnt." 

De Lijn meldet deutlich niedrigere Zahlen. In der vergangenen Woche waren durchschnittlich 60 Prozent der Passagiere im Vergleich zu 2019 anwesend. Es gibt allerdings einen leichten Anstieg, denn in der Woche vom 27. September lag der Anteil erst bei 51 Prozent. Karen Van der Sype von De Lijn sieht eine Erklärung im kalten Wetter, so dass zum Beispiel Radfahrer wieder die Straßenbahn oder den Bus nehmen. 

Weniger Fahrgäste im öffentlichen Verkehr: auch in Zukunft?

Derzeit arbeiten noch 41 Prozent der Pendler regelmäßig von zu Hause aus, während es vor Corona nur 20 Prozent waren. Wenn dies nicht nur eine Folge der Corona-Krise, sondern auch in Zukunft so bleibt, droht vielen öffentlichen Verkehrsbetrieben ein deutlicher Rückgang der Fahrgäste im Pendlerbereich. Sowohl die belgische Bahn als auch ausländische Bahnbetreiber experimentieren bereits mit flexiblen Zeitkarten, um Kunden zu binden. 

Individualisierungstrend

Untersuchungen des Kennis Instituut Mobiliteit (KIM) in den Niederlanden deuten auf eine Individualisierung unserer Reisen hin: Wegen der Maskenpflicht und der Angst vor Ansteckungen in überfüllten Zügen oder Bussen fahren wir häufiger mit dem Auto oder E-Bike. Das vermutet auch Guy Sablon: "Aber das ist hoffentlich ein vorübergehendes Phänomen und wird nach dem Winter 2021-2022 verschwinden." 

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