Lola Hakimian

Europalia "Tracks & Trains" in der Train World: "Mystisch, Luxuriös, Belgisch!" - Der Orient Express

Noch bis zum 17. April 2022 ist im Museum der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB in Schaarbeek eine Ausstellung zu sehen, die sich mit der Geschichte des legendären Orient Express befasst. Diese Ausstellung findet im Rahmen der Kulturbiennale Europalia „Tracks & Trains“ statt, die sich der Eisenbahn als europäisches Bindemittel widmet. In der Ausstellung “Mystisch, Luxuriös, Belgisch!” zum Orient Express gilt es neben zwei originalen Waggons dieses Zuges einiges zu entdecken, z.B. auch, dass dieser Zug die Erfindung eines Belgiers ist…

Zuerst mag man beim Orient Express an Luxus, ferne Länder und an Agatha Christie und ihre mehrmals in solchen Zügen verfilmten Mordgeschichten rund um den belgischen Detektiv Hercule Poirot denken, doch hinter diesem legendären Zug, der einstmals Paris und Konstantinopel und viele andere Städte in Europa, dem Balkan und dem Nahen Osten verband, verbergen sich zahlreiche Geschichten. Und diese Geschichten sind hier in der Train World zu entdecken.

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Ein Teil dieser Geschichte ist, dass der Orient Express, genauer die Betreibergesellschaft CIWL (Compagnie Internationale des Waggons Lits - Internationale Schlafwagengesellschaft) eine Erfindung eines Belgiers ist. Der Lütticher Industrielle Georges Nagelmackers (1845-1905) genoss bei einer Amerikareise als junger Mann die Fahrten in den Schlafwagenzügen von George Pullman (der Namensgeber für den Ausdruck „Pullman-Wagen“ für luxuriöse Eisenbahn-Salonwaggons auch in Europa).

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George Pullman zieht nach Europa um und gemeinsam mit Georges Nagelmackers wird an der Gründung einer Gesellschaft gearbeitet, die in Europa Luxus- und Schlafwagenzüge betreiben soll. 1872, zwei Jahre nach dem französisch-preußischen Krieg, gründet Nagelmackers in Lüttich die CIWL, die ab 1876 ohne andere Partner nur von ihm selbst betrieben wird.

Er kann sein Netzwerk dank seiner wohlhabenden Industriellenfamilie und dank der Hilfe von Belgiens König Leopold II. gehörig ausbauen. Nach und nach erwirbt er Beteiligungen in anderen Bahngesellschaften in ganz Europa und er investiert in die Stahlindustrie.

Georges Nagelmackers stirbt am 10. Juli 1905 in Villepreux in Frankreich. Zu diesem Zeitpunkt findet in seiner Heimatstadt Lüttich gerade die Weltausstellung statt, die er mit gestaltete und bei der auch einige seiner CIWL-Waggons ausgestellt werden (Postkarte unten).

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Sammlung A. Kockartz

Die Train World bietet eine Reise nach Konstantinopel

Die Ausstellung “Mystisch, Luxuriös, Belgisch!” zur Geschichte des Orient Express ist wie eine Zeitreise aufgebaut. Sie führt durch den entsprechend ausgestatteten Schalterraum des historischen Bahnhofs von Schaarbeek und in diesem Gebäude auch in die authentisch nachempfundene Bibliothek von CIWL-Gründer Nagelmackers. Dort sind Fotos und Gemälde zu sehen, die die Zeit von damals in die Erinnerung rufen und dort wird ein Blick auf einige legendäre Städte geworfen, in denen der Orient Express hielt: Sofia, Thessaloniki und natürlich den Bestimmungsort des Zuges, Konstantinopel.

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Zwei originale CIWL-Waggons

Klar ist, dass eine Einrichtung wie die Train World bei einer solchen Ausstellung nicht darauf verzichten kann, auch echte Waggons ins Museum zu fahren, die damals in legendären CIWL-Zügen unterwegs waren.

Dabei handelt es sich um einen Speisewagen vom Typ „Riviera“ von 1927 und um einen Pullmanwagen vom Typ „Côte d’Azur“ von 1929. Beide Waggons gehören heute der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF. 

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Andreas Kockartz/VRT

Das Besondere ist, dass diese Waggons für die Besucher der Ausstellung zugänglich sind. So kann man die Geschichte von damals einatmen und den Luxus des damaligen Reisens spüren. Im Speisewagen z.B. haben die Kuratoren jedem einzelnen Tisch ein eigenes Szenario gewidmet. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein…

Ganz nebenbei: In der Sammlung des Museums befinden sich gleich mehrere historische Dampfloks, die Luxuszügen von damals vorgespannt waren, wenn diese durch Belgien fuhren, z.B. zwischen Ostende und Köln. Das sind die Typ 10 von 1913 und die Typ 7 von 1922.

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Andreas Kockartz/VRT

“Mystisch, Luxuriös, Belgisch!” - Der Orient Express ist noch bis zum 17. April 2022 zu sehen und zwar jeden Tag außer Montags in der Train World, Bahnhof Schaarbeek, Prinses-Elisabethplein 5, 1030 Schaarbeek. Infos zur Train World www.trainworld.be/de - Infos zur Europalia „Tracks & Trains“ www.europalia.eu . Die Train World bietet auch zu dieser Ausstellung interaktive Aktivitäten für Familien mit Kindern, Schulklassen oder Besuchergruppen. 

Luxus im CIWL-Pullmanwagen in der Train World

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