Im Stadtzentrum von Sint-Truiden

Ein Unternehmen in Sint-Truiden darf seit Jahren mehr PFOS verklappen, als erlaubt

Das amerikanische Unternehmen Tenneco, das in Sint-Truiden in der Provinz Limburg mit rund 1.000 Beschäftigten Stoßdämpfer für die Automobilindustrie produziert, erhält seit Jahren die Erlaubnis, mehr PFOS-haltige Abwässer in einen nahen Bach zu verklappen, als offiziell zugelassen. Aber, das Unternehmen hält sich nicht wirklich an entsprechende Auflagen, wie die flämische Tageszeitung Het Belang Van Limburg meldet. 

Schon seit 2012 ist in der Betriebsgenehmigung von Tenneco das chemische Produkt PFOS als gefährlich eingestuft. PFOS, spätestens seit dem Umweltskandal des US-Chemiekonzerns 3M in Zwijndrecht bei Antwerpen hierzulande in den Negativschlagzeilen, wird in Verbindung mit Hormonstörungen, Krebsgefahr und Schwächung des Immunsystems gebracht.

Dem US-Unternehmen Tenneco wurde 2012 erlaubt, Abwässer mit 25 Mikrogramm PFOS pro Liter in den Merelbeek abzulassen, ein Bach in der Nähe der Fabrik. Dies wurde mit der Auflage zugelassen, dass Tenneco innerhalb von 2 Jahren zu einer Verklappungsmenge von 0,1 Mikrogramm PFOS kommt. Doch dies gelang dem Unternehmen nicht. Aus diesem Grunde ermöglichten die flämischen Landesbehörden dem Unternehmen, nach und nach die PFOS-Werte zu senken, wieder ohne Erfolg, denn Tenneco beantragte 2018 weitere 4 Jahre Ausnahmeregelung und erhielt dies auch wieder.

Naturschützer ermitteln hohe PFOS-Werte

Aus Messungen der flämischen Umweltbewegung „Natuurpunt“ in Ost-Brabant und Limburg ist jetzt ersichtlich, dass Tenneco nicht einmal die mit Sondergenehmigungen zugelassenen PFOS-Abwasserwerte erreicht. Jetzt fordern die Naturschützer, dass ein auffallend hoher PFOS-Wert im Merelbeek und die Abwasservorgehensweise des Unternehmens untersucht werden.

In Fischen wurde ein PFOS-Wert von 132 Mikrogramm pro Kilo gemessen. Zum Vergleich: In der Seeschelde liegt dieser Wert bei 30 Mikrogramm PFOS pro Kilogramm Fisch… „Natuurpunt“ fordert, dass auch hier in Limburg umfassend nach PFOS gesucht wird, wie das seit Monaten in der Antwerpener Gegend nach dem 3M-Umweltskandal der Fall ist. Die Behörden hätten doch auch hier eine bestimmte Kontroll- und Warnfunktion, hieß es bei den Naturschützern dazu. 

Der Merelbeek in Sint-Truiden (Archivfoto)

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