Laurie Dieffembacq

Todesfall Mawda: Schießender Polizist auch in Berufung verurteilt

Der Polizist, der das 2 Jahre alte kurdisch-irakische Flüchtlingskind Mawda während einer Verfolgungsjagt auf einer Autobahn im Mai 2018 erschossen hatte, ist auch in Berufung wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden. Das Berufungsgericht von Mons (Provinz Hennegau) korrigierte das Strafmaß allerdings leicht nach unten.

Das Berufungsgericht von Mons bestätigte das, was das erstinstanzliche Gericht ebenfalls entschieden hatte, nämlich dass der Polizist den Tod von Mawda niemals beabsichtigte. Doch auch in Berufung sah es das Gericht als einen Fehler an, dass der Angeklagte seine Waffe nutzte, um auf die Reifen des Fluchtwagens zu schießen. Bereits vorher hatte sich gezeigt, dass der flüchtende Lieferwagen mit mehreren Menschen besetzt war.

Zwar hatte der angeklagte Polizist vor einem Jahr vor Gericht ausgesagt, dass er nicht gewusst habe, dass in dem Fahrzeug Flüchtlinge und deren Kinder waren. Er habe keine Zeit gehabt, zu überlegen und sich dazu entschlossen, um sich und andere Verkehrsteilnehmer zu schützen, auf den Reifen des Lieferwagens zu schießen.

Nach dem erstinstanzlichen Prozess verurteilte ihn das Gericht zu einem Jahr Haft zur Bewährung, doch es deutete sich schon damals an, dass der Polizist in Berufung gehen würde. Er und seine Verteidigung wollten in Berufung einen Freispruch erzielen, was aber nicht gelang.

Der Appellationshof von Mons war ebenfalls der Ansicht, dass der Polizeibeamte die möglichen Gefahren seines Handels habe erkennen müssen: „Nur in extremen Fällen ist es gerechtfertigt, auf ein sich bewegendes Fahrzeug zu schießen und eine Rechtfertigung war in diesem Fall nicht gegeben.“ Aber, in Berufung wurde die Bewährungsstrafe des Polizisten von einem Jahr auf 10 Monate gesenkt. 

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