Krankenhausphase 1A: Wird die 4. Corona-Welle nicht so intensiv wie die vorherigen Wellen?

Dass die Zahl der Corona-Patienten, die intensiv behandelt werden müssen, weiter steigt, liegt im Bereich der Erwartung der Mediziner. Doch angesichts der recht stark steigenden Zahlen wird die Behandlung der Corona-Patienten auf Intensivstationen einen Einfluss auf die sonstige Gesundheitsversorgung haben. Die Krankenhäuser müssen auf die Phase 1A umschalten.

Das bedeutet, dass angesichts der steigenden Zahlen die Phase 0 überschritten wurde, in der die Krankenhäuser 15 % ihrer Intensivbetten für Corona-Patienten bereithalten müssen. Phase 1A bedeutet, dass 25 % der IC-Betten Corona-Patienten vorbehalten sind.

Aktuell werden in Belgien über 1.850 Corona-Patienten in Krankenhäusern behandelt, von denen rund 340 intensiv behandelt werden müssen - die höchste Zahl seit Anfang Juni. Fachleute gehen bisher nicht davon aus, dass es zu 500 IC-Patienten mit Covid-19 kommen wird. In einigen belgischen Kliniken wurden aber bereits Operationen, die längere Intensivphasen zur Folge gehabt hätten, ausgesetzt und verschoben. Das ist der Fall z.B. in der Uniklinik in Löwen und im Jessa-Krankenhaus in Hasselt. 

Die Universitätsklinik Gent (UZ Gent) will keine Krankenhausbetten mehr für Corona-Patienten freihalten. Hier heißt es, man werde angesichts von weniger schlimmen Krankheitsverläufen keine Sonderbehandlung mehr für Patienten, die sich mit Covid-19 infiziert haben, vorsehen, sondern alle Behandlungen zur Not auch gemischt vornehmen.

Ein Problem der Krankenhäuser ist auch, dass sie nicht selten über weniger Personal in den Corona-Abteilungen und in den anderen Bereichen verfügen können. Viele Mitarbeiter sind wegen völliger Überlastung krankgeschrieben und andere haben schlichtweg im Zuge von Corona gekündigt und den Job gewechselt. 

Der Intensivmediziner der Universitätsklinik von Löwen (UZ Leuven), Geert Meyfroidt, sagte dazu: „Die Erwartung ist nicht, dass das eine genau so große Proportion annehmen wird, wie die letzte Welle und dies dank der Impfungen.“

Doch dass es zu einem Niveau kommen wird, bei dem Covid-19 einen Impakt auf die andere Gesundheitsversorgung haben wird, ist nicht zu vermeiden: „Die Hoffnung ist, dass wir unter 500 Betten bleiben können, wodurch eine Kombination von Covid-Pflege und anderer Pflege möglich ist, die vernünftig bleibt.

Die Corona-bedingten Krankenhausphasen in Belgien

  • Phase 0 bedeutet, dass insgesamt 85 % der Betten für den regulären Krankenhausbetrieb vorbehalten sind und 15 % für Corona-Patienten, die eine Behandlung im Krankenhaus brauchen.
  • Phase 1A bedeutet, dass 25 % der Intensivbetten für Covid-Patienten freigehalten werden müssen und dass eine Abteilung für die Behandlung von Covid-Patienten vorgesehen sein muss.
  • Phase 1B bedeutet, dass die Corona-Abteilungen der Krankenhäuser innerhalb von 48 Stunden auf 50 % Intensivbetten erweitert werden müssen. Die Krankenhäuser müssen dann auch die vierfache Anzahl Nicht-Intensivbetten für Corona-Patienten freihalten.
  • Phase 2A bedeutet im Unterschied zu den Phasen 1A und 1B, dass zusätzliche Intensivbetten aufgebaut werden: 60 % der existierenden Intensivbetten müssen für Corona-Patienten vorgesehen sein und 15 % Betten für andere an Covid-19 Erkrankte. Die übrigen 40 % der Betten stehen für andere Patienten zu Verfügung. In dieser Phase sind die Krankenhäuser faktisch überbelegt und zu 115 % ausgelastet.
  • In der Phase 2B werden weitere 25 % zusätzliche Betten für Corona-Patienten geschaffen.

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