Virologe Steven Van Gucht warnt vor hohem Druck auf das Gesundheitswesen

Die Coronazahlen steigen inzwischen weniger schnell in der Wallonie und in der Brüsseler Haustadt-Region, doch in Flandern gehen sie rasant nach oben. Und dadurch steigt auch hier der Druck auf die Krankenhäuser. Der Virologe und Leiter des staatlichen wissenschaftlichen Gesundheitsamtes Sciensano, Steven Van Gucht (Foto) erinnert daran, dass die Zahl der Krankenhaus- bzw. der Intensivbetten in der Theorie besser klingt, als in der Realität.

Der Druck auf die Krankenhäuser durch die steigende Zahl der Corona-Ansteckungen nimmt zu. Aktuell liegen knapp 1.900 Corona-Patienten in Krankenhäusern und über 360 von ihnen werden auf Intensivstationen behandelt - Tendenz schnell steigend. Mediziner und Experten hoffen, dass diese Zahl nicht über den kritischen Wert von 500 IC-Patienten steigt.

Durch die steigende Zahl der Corona-Patienten brauchen die Krankenhäuser auch wieder mehr Personal, doch gerade hier drückt der Schuh, doch auch hier gibt es durch Covid-19 Ausfälle: Krankheit, chronische Übermüdung, Quarantäne durch die eigenen Kinder nach Ansteckung in der Schule und nicht zuletzt…. Ansteckungen mit Corona. 

Weniger Krankenhauspersonal = weniger Krankenhausbetten

Und hier setzt der Virologe Steven Van Gucht an: „Es gibt wieder viel Quarantäne und deshalb bleiben auch Pfleger öfter abwesend am Arbeitsplatz. Viele Krankenhäuser geben an, dass sie als Folge davon Betten nicht nutzen können, weil das Personal dazu fehlt. Das impliziert, dass die reale Kapazität in der Praxis geringer ist, als in der Theorie möglich ist. Das bestätigt einmal mehr, wie wichtig es ist, die Zahl der Ansteckungen unter Kontrolle zu halten.“

Im besten Fall bleiben wir unter 500 Menschen, die in Intensivstationen landen. Im schlechtesten Szenario landen mehr als 1.000 Patienten in diesen Stationen.“

Virologe Steven Van Gucht

Van Gucht appelliert deshalb an die Bevölkerung, sich zurückzuhalten, die Kontakte einzuschränken, Mundmasken zu tragen und nicht zuletzt auch, sich gegen Corona impfen zu lassen: 

„Im besten Fall bleiben wir unter 500 Menschen, die in Intensivstationen landen. Im schlechtesten Szenario landen mehr als 1.000 Patienten in diesen Stationen.“

Er und andere Experten gehen davon aus, dass die schwerste Belastung der Krankenhäuser Ende November erreicht wird: „Möglicherweise müssen die Krankenhäuser dann wieder in die Phasen 1B oder 2A umschalten (finden sie bitte die Liste der entsprechenden Phasen im nebenstehenden Beitrag (Red.)).“

Der Unterschied zwischen beiden Szenarien werde durch unser Verhalten bestimmt und durch die Zahl der Risikokontakte, die die Leute unterhalten“, so Van Gucht: „Und hier sehe ich viel Unsicherheit.“ Der Virologe stellt fest, dass die Impfungen gegen Corona sehr gut gegen eine Aufnahme im Krankenhaus und erst recht gegen eine Behandlung auf der Intensivstation schützen… 

Meist gelesen auf VRT Nachrichten