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Antwerpen und Chile machen in Sachen grüner Wasserstoff gemeinsame Sache

Während die Staats- und Regierungschefs auf der COP26 ihre Klimazusagen bekannt geben, unterzeichnete der Hafen von Antwerpen in Glasgow eine Absichtserklärung mit Chile zu einer gemeinsamen Produktion und einem gemeinsamen Vertriebskonzept für Wasserstoff als nachhaltige Energiequelle. Im Januar 2021 hat sich im Antwerpener Hafen ein Konsortium gebildet, dass bis 2030 eine vollständige Wasserstoff-Import- und Vertriebskette aufbauen will.

Wasserstoff gilt als entscheidend für die Dekarbonisierung der Schwerindustrie, wie z.B. der Stahlindustrie und spielt damit eine wichtige Schlüsselrolle bei den Bemühungen Europas, bis 2050 die Klimaneutralität zu erreichen. Antwerpen hat sich zum Ziel gesetzt zu einem der wichtigsten Häfen für den internationalen Wasserstoffhandel zu werden und zählt dabei auf die belgische Industrie und auf das europäische Hinterland des Hafens als Abnehmer.

„Die bevorstehende Fusion zwischen den Häfen von Antwerpen und Zeebrügge wird dem Gemeinschaftshafen eine führende Position als Importdrehscheibe für grüne Wasserstoffmoleküle verschaffen“, sagte Antwerpens Hafen-CEO Jacques Vandermeiren einem Video, das im Rahmen der COP26 gezeigt wurde. Mit seinem großen Solar- und Offshore-Windpotenzial gehört Chile zu den Ländern, die möglicherweise große Mengen an erneuerbarem Wasserstoff produzieren und exportieren können.

„Grüner Wasserstoff ist der beste Weg, diese Ressourcen zu nutzen und sie mit der Welt zu teilen“, erklärte Juan Carlos Jobet, der chilenische Energieminister vor Ort in Glasgow. Aber, es gibt es auch in Chile noch viele Herausforderungen: Weniger als 30 % des in Chile erzeugten Stroms kommt bisher dort aus erneuerbaren Quellen. Um den internationalen Handel mit Wasserstoff zu ermöglichen, „sind Infrastruktur, Häfen und Logistik unerlässlich“, so Jobet. Das Abkommen zwischen Chile und Antwerpen sei ein erster Schritt, „um die richtige Politik zu entwickeln, ein Netz von Kooperationsvereinbarungen aufzubauen und den Privatsektor agieren zu lassen“, fügte er hinzu.

Antwerpens Hafen setzt auf Wasserstoff

Der Hafen von Antwerpen hat sich mit dem Energieversorger Engie und fünf weiteren Unternehmen zu einem Konsortium zusammengeschlossen, das bis zum Ende des Jahrzehnts eine „vollständige Wertschöpfungskette für den Import von erneuerbarem Wasserstoff“ in Belgien aufbauen will.

Das Konsortium gab im Januar 2021 den Abschluss einer Machbarkeitsstudie bekannt, die zu dem Schluss kommt, dass das Projekt sowohl technisch als auch wirtschaftlich realisierbar ist.

Belgiens Premierminister Alexander De Croo (Open VLD) zeigte sich seinerzeit hochzufrieden: „Wasserstoff wird eine entscheidende Rolle bei der Energiewende spielen und unsere Industrie nachhaltig gestalten. Der nächste Schritt ist, eine langfristige Strategie für den Import von Wasserstoff zu entwickeln.“ 

"Hydrogen Import Coalition"

Die sogenannte „Hydrogen Import Coalition“ besteht aus DEME, Engie, Exmar, Fluxys, dem Hafen von Antwerpen, dem Hafen von Zeebrügge (beide Häfen stehen vor einer Fusion) und der flämischen Gesellschaft WaterstofNet.

Eine gemeinsame Studie zeigt die finanziellen, technischen und regulatorischen Aspekte des Aufbaus einer kompletten Wasserstoff-Importkette auf, von der Produktion im Ausland (z.B. Chile) über die Lieferung per Schiff und Pipeline nach Belgien bis hin zum internen Vertrieb über den Hafen von Antwerpen  an Industrie-Endverbraucher (z.B. in Belgien und im europäischen Hinterland der hiesigen Häfen).

Neben Sonnen- und Windenergie, die nach Aussagen des Konsortiums in Europa im Rahmen der Energiewende in Europa zur Stromversorgung nicht ausreichen werden (vor allem nicht in Belgien und in weiten Teilen Westeuropas), gilt eben grüner Wasserstoff als entscheidender Faktor für die erneuerbaren Energiequellen der Zukunft. 

Im Einklang mit Plänen der EU-Kommission

Das belgische Projekt im Antwerpener Hafen stehe im Einklang mit den Plänen der Europäischen Kommission, die im vergangenen Jahr vorgestellt wurden, um eine Wertschöpfungskette für erneuerbaren Wasserstoff in Europa zu entwickeln. Dies sei eine Möglichkeit, die aus erneuerbaren Energien erzeugte Elektrizität zu ergänzen.

Fachleute gehen davon aus, dass sich die Produktion von CO²-armer Elektrizität in den kommenden Jahrzehnten verdoppeln wird. Nach  den von der EU-Kommission entwickelten Langzeitszenarien wird so erzeugter Strom bis 2050 dennoch nur zu 53 % des Energieangebots in der Union ausmachen.

Deshalb müsse die lokale Produktion von erneuerbarem Strom durch den Import von z.B. grünem Wasserstoff aus Ländern wie Chile ergänzt werden. Ziel der „Hydrogen Import Coalition“ ist, bis 2030 eine vollständige Wasserstoff-Import- und Vertriebskette aufzubauen.

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