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Stolperstein erzählt die Geschichte einer grausamen Deportation während des Holocaust

In der westflämischen Kleinstadt Menen wurde an der Kreuzung der Rijsel- und der Vlamingenstraat ein so genannter Stolperstein verlegt. Stolpersteine sind kleine Steine von etwa 10 mal 10 Zentimetern, die mit einer bronzefarbenen Metallplatte bedeckt sind. Der Stein soll die Passanten zum Stolpern bringen, bildlich gesprochen, und sie zum Nachdenken über eine Geschichte anregen, die sich an diesem Ort zugetragen hat. In Menen ist dies die Geschichte der Jüdin Gizela Kleinbartova.

Ein solcher Gedenkpflasterstein ist eine Initiative des deutschen Künstlers Gunter Demnig. Es handelt sich um einen kleinen Betonstein, der oben mit einer dünnen Messingplatte abgedeckt ist. Die Tafel enthält die Daten eines Holocaust-Opfers: Name, Geburtsjahr, Datum der Deportation, Todesdatum, Name des Lagers, in dem das Opfer starb, oder der Ort, an dem das Opfer hingerichtet wurde.

Seit 1992 erinnert der deutsche Künstler in zahlreichen Ländern mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln, sogenannten Stolpersteinen, an das Schicksal der Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

In Menen befindet sich der Gedenkstein in der Nähe des Gebäudes, in dem die Jüdin Gizela Kleinbartova ein Jahr lang untergetaucht war. Doch 1942 wurde sie verhaftet und nach Aushwitz deportiert, wo sie fast sofort ermordet wurde.

Symbolischer Stolperstein

Der Stolperstein in Menen ist kein Einzelfall. Mehr als 70.000 wurden bereits in mehr als 20 Ländern verlegt. "Wegen Corona konnte der Künstler und Initiator der Stolpersteine, Gunter Demnig, leider nicht anwesend sein", sagt Stadtrat Herman Ponnet (Vooruit, flämische Sozialdemokraten). "Aber wir hielten es trotzdem für wichtig, den Stolperstein zu verlegen, auch wenn er nicht dabei sein konnte."

Der Passant muss sich hinknien und sein Haupt verneigen. Auf diese Weise verbeugt er sich gleichsam vor dem Opfer. Das Stolpern ist also nicht buchstäblich ein Stolpern, sondern symbolisch gemeint. "Man stolpert nur mit dem Herzen und mit dem Kopf über die Geschichte", betont Ponnet. "Wir wollen zeigen, dass hier etwas passiert ist, das nicht normal ist und von der Gesellschaft nicht akzeptiert werden kann. Rassismus sollte immer bekämpft werden".

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