Flandern will die Zahl der Selbstmorde bis 2030 um 10 Prozent senken.

Obwohl die Zahl der Selbstmorde in den letzten Jahren ständig zurückgegangen ist, bleibt sie in Flandern und Belgien immer noch hoch. Der flämische Minister für Volksgesundheit, Wouter Beke (CD&V), kündigt daher einen neuen Aktionsplan an. 

In Flandern nehmen sich im Schnitt drei Menschen pro Tag das Leben. Das sind die Zahlen aus dem Jahr 2018. Zum Vergleich: In den Niederlanden begehen fünf Menschen pro Tag Selbstmord, wobei die Bevölkerung fast drei Mal so groß ist.  

Aus diesem Grund hat der flämische Volksgesundheitsminister Wouter Beke (CD&V) zusammen mit dem Zentrum für Selbstmordprävention (VLESP) einen dritten Aktionsplan angekündigt. Ziel ist es, die Zahl der Selbstmorde bis 2030 um 10 Prozent zu senken. Für Wouter Beke ist dies ein "ehrgeiziges, aber realistisches Ziel". 

Der Aktionsplan besteht aus einer Reihe von Vorschlägen, die noch von der flämischen Regierung gebilligt werden müssen, aber breite Unterstützung finden.

Über geistige Gesundheit in der Schule sprechen

Die Forschung zeigt, dass das Suizidrisiko mit zunehmendem Alter steigt. Ab einem Alter von 45 Jahren steigt das Risiko stark an. Weitere Risikofaktoren sind ein niedriges Bildungsniveau und Arbeitslosigkeit, vor allem bei jungen Menschen. Die Tatsache, dass Selbstmord ein Tabuthema ist, über das man nur schwer sprechen kann, erschwert auch die Prävention. Zu beachten ist, dass Männer viel stärker gefährdet sind als Frauen. Sie nehmen weniger Selbstmordversuche als Frauen vor, stellen aber 73,7 Prozent der Todesfälle dar. 

(C) Gerlo Beernink, gerlo@gerlo.nl

Der neue flämische Aktionsplan will speziell auf diese Risikogruppen, aber auch auf Jugendliche eingehen. U. a. durch die Zusammenarbeit mit Apothekern, die den Medikamentenkonsum ihrer Kunden überwachen können. 

Dem Plan zufolge sollen auch Studierende der Sozialwissenschaften an Hochschulen geschult werden. Konkrete Details sind jedoch noch nicht bekannt. In der Sekundarstufe sollte dafür gesorgt werden, dass das Thema Selbstmord im Unterricht leichter behandelt werden kann. 

Die Öffnungszeiten der Hotline 1813 sollen ebenfalls ausgeweitet werden. Der Chatdienst, der hauptsächlich von Jugendlichen genutzt wird, wird ab dem 1. Dezember auch unter der Woche zwischen 17.00 Uhr und Mitternacht erreichbar sein. In der Praxis bedeutet dies eine Verdoppelung der Stundenzahl. An Freitagen und Wochenenden war dies bereits seit dem Sommer der Fall. 

Aktionspläne lohnen sich

Dank der seit 2000 beschlossenen zwei Aktionspläne konnte die Zahl der Selbstmorde bis 2020 um 20 Prozent gesenkt werden. Mehr als das: In Flandern ist die Zahl der Selbstmorde sogar um 26 Prozent im Vergleich zu 2000 gesunken. 

Dass die Selbstmordrate in Flandern rückläufig ist, ist keine Selbstverständlichkeit, betont Beke. In den Niederlanden ist die Zahl der Selbstmorde zwischen 2008 und 2017 um 40 Prozent gestiegen. In Großbritannien haben die Zahlen seit 2000 einen Höchststand erreicht. 

In absoluten Zahlen schneiden Belgien und Flandern im europäischen Vergleich weiterhin schlecht ab. Belgien hat die vierthöchste Selbstmordrate in Europa. Bei den Selbstmorden von Frauen hat unser Land sogar die höchste Rate. Die Region Flandern schneidet nur wenig besser ab als die nationalen Zahlen und liegt im Vergleich zu den EU-Mitgliedstaaten an dritter Stelle. 

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