"An alle, die die Impfung ablehnen: Ist Ihnen klar, dass es bei meiner Krebsoperation um Leben und Tod geht?"

Derzeit müssen viele Krankenhäuser Operationen verschieben, weil die Intensivstationen mit Covid-Patienten überlastet sind. Etwa die Hälfte von ihnen ist nicht geimpft, während Ungeimpfte – in Flandern weniger als 10 % der Bevölkerung - mittlerweile eine Minderheit darstellen und daher in den Krankenhäusern überrepräsentiert sind. Andere Patienten, darunter unser VRT-Kollege Chris Van den Abeele (Foto), müssen daher länger auf eine dringend benötigte Operation warten. Sein Appell an alle Impfgegner und Coronaleugner:

Lieber Leser, liebe Leserin,

Ich habe einen Krebs. Es ist Prostatakrebs. Er wurde vor drei Wochen bei mir diagnostiziert. Das kann passieren, vor allem bei einem Mann, der bereits (oder erst) 57 Jahre alt ist. Ich versuche, damit zu leben. An manchen Tagen geht es mir besser als an anderen. Das ist nun mal so; so läuft es manchmal im Leben.

Nach verschiedenen Untersuchungen wurde ein "Behandlungsplan" aufgestellt. Meine Prostata und die umliegenden Lymphknoten müssen entfernt werden.

Ich schätze mich glücklich, dass ich in Belgien und nicht in Indien oder Amerika lebe. Unsere Gesundheitsversorgung ist Weltklasse und die Kosten für die Versorgung werden nicht dazu führen, dass ich bankrottgehe. Die Behörden haben viel Geld für meine Gesundheit übrig und ich bin ihnen sehr dankbar dafür.

Was die Ärzte betrifft, die mich behandeln, so habe ich nur äußerst positive Erfahrungen mit ihnen gemacht.

Die Operation ist dringend, so ist das bei lebensbedrohlichen Krankheiten.

Heute wurde mir mitgeteilt, dass die Operation frühestens im Januar stattfinden kann. Seit der letzten Corona-Welle gibt es noch viel Aufholbedarf. Die Terminkalender sind voll, wahrscheinlich mit Patienten, bei denen es noch dringender ist, als bei mir. Ich habe vollstes Verständnis dafür. Ich bin nicht wichtiger als die anderen Patienten, die darauf warten, an die Reihe zu kommen.

Aber die vierte Welle macht die Situation noch heikler.

Ich habe gehört, dass die Hälfte der Covid-Patienten auf den Intensivstationen nicht geimpft ist. 50 % der verfügbaren Intensivbetten werden also von einer Minderheit von 10 % der Bevölkerung belegt. Dies ist eine Tatsache, die objektiv und statistisch nachgewiesen wurde.

Ich habe daher eine Frage an alle, die nicht geimpft sind oder nicht vorhaben, sich impfen zu lassen: Ist Ihnen bewusst, dass Sie Teil einer Gruppe sind, die für die Verzögerung meiner Behandlung und der unzähliger anderer Patienten verantwortlich ist? Und sind Sie sich - entschuldigen Sie die Dramatik - bewusst, dass dies für mich und diese Menschen eine Frage von Leben und Tod sein könnte?

Mit freundlichen Grüßen,

Chris Van den Abeele

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