AKW Tihange bei Huy in der Provinz Lüttich

Wie steht es um den Ausstieg aus der Kernkraft in Belgien?

Laut einer aktuellen Studie zur Energieversorgung nach dem Atomausstieg wird es in Belgien nach der für 2025 geplanten Abschaltung der letzten Meiler nicht zu Black Outs durch zu wenig Stromproduktion kommen. Ende der Woche wurden dem Kernkabinett der belgischen Bundesregierung die Ergebnisse dieser Studie vorgelegt.

Bundesenergieministerin Tinne Van der Straeten (Groen) und Chris Peeters CEO von Elia - dem Betreiberunternehmen des Hochspannungsnetzes in Belgien - hatten dem Kernkabinett die wichtigsten Erkenntnisse dieser Studie erläutert. Besprochen wurden die Versorgungssicherheit, die Kosten des Atomausstiegs, die Energiekosten für die Verbraucher und auch die Nachhaltigkeit der Alternativen im Hinblick auf die Klimaziele.

Die Grundzüge der Studie zum Atomausstieg in Belgien sind recht einfach erklärt. Es ist weder ein Engpass bei der Stromversorgung zu befürchten, noch ein wesentlicher Anstieg der Strompreise für die Verbraucher. Energieministerin Van der Straeten von den flämischen Grünen (Groen) verfolgt denn auch den bis 2025 zu vollziehenden Atomausstieg unseres Landes. Aber, sie trifft auf Widerstand in der eigenen Koalition. Die frankophonen Liberalen MR, allen voran deren Parteichef Georges-Louis Bouchez, bezweifeln die Richtigkeit dieses Schrittes.

Ministerin Van der Straeten gab zu verstehen, dass es keine Option gebe, den Atomausstieg noch zu verschieben. Das liegt nicht zuletzt auch an der Tatsache, dass Engie/Electrabel, der Betreiber der belgischen AKW Tihange und Doel, keine technischen Möglichkeiten mehr sieht, auch die jüngeren Atommeiler noch über 2025 hinaus am Netz zu behalten.

Die Alternativen sind (noch) nicht perfekt

Die belgische Energieministerin gab zu, dass die kurzfristigen Alternativen zum Atomaus nicht wirklich perfekt seien. In einer ersten Instanz setzt Belgien dabei auf Gaskraftwerke, die anstelle der AKW Strom produzieren werden. Doch hier macht ihr Flanderns Landesinnenministerin Zuhal Demir von den flämischen Nationaldemokraten N-VA bisher einen Strich durch die Rechnung. Sie verweigert dem dazu dringend benötigten Gaskraftwerk von Vilvoorde in Flämisch-Brabant nahe Brüssel die Bau- und Betriebsgenehmigung. Die N-VA gehört neben der MR zu den Befürwortern einer Verlängerung der Laufzeit einiger Atommeiler.

Argument dazu ist ein möglicherweise zu hoher Stickstoffausstoß des Gaskraftwerks, womit es Probleme geben soll, die eigenen Klimaziele zu erreichen, verlautet dazu aus Flandern. Alternativ dazu könnte ein weiteres Gaskraftwerk in Manage in der Nähe von La Louvière in der wallonischen Provinz Hennegau herangezogen werden, um die Energieversorgung zu sichern, so Van der Straeten.

Spannende Wochen

Bau und Betrieb von Gaskraftwerken zu diesem Zweck werden übrigens auch mit Mitteln der staatlichen Investierungsgesellschaft CRM bezuschusst. In den kommenden Wochen wird wohl auf Regierungsebene in Brüssel leidenschaftlich über den Atomausstieg diskutiert werden. Van der Staeten hat ihren Termin, bis Ende November 2021 eine Studie zum Atomausstieg vorzulegen, knapp eingehalten. Bis Weihnachten soll ein definitiver Beschluss fallen, trotz der Bedenken von Koalitionspartner MR und deren Vorsitzendem Bouches bzw. aus Richtung Flandern und der N-VA.

In den Nachbarregionen wird der zu erwartende belgische Atomausstieg übrigens begrüßt. Oliver Krischer, grüner Bundestagsabgeordneter aus Aachen, sagte gegenüber den Blättern des Aachener Zeitungsverlags: „Das sind gute Nachrichten für Aachen und die Region. (…) Die neue Bundesregierung wird Belgien in jeder Hinsicht dabei unterstützen, alle AKW abzuschalten.“ 

Meist gelesen auf VRT Nachrichten