Die Yellow Tigers als EM-Dritte 2013

Yellow Tigers: Volleyball-Coach soll seine Sportlerinnen emotional erniedrigt haben

Drei ehemalige belgische Volleyball-Nationalspielerinnen haben in der VRT-Sendung „Der Preis des Gewinners“ ein schlechtes Bild von ihrem Trainer Gert Vande Broek gezeichnet. Der soll seine Yellow Tigers auf besonders harte Art und Weise beschimpft,  beleidigt und erniedrigt haben. Der Vorwurf des „emotionalen Missbrauchs“ steht im Raum. Jetzt trat auch die Kapitänin der aktuellen Yellow Tigers zurück. Inzwischen wird die Angelegenheit auch juristisch geprüft.

Die drei früheren Volleyball-Nationalspielerinnen Freya Aelbrecht, Valérie Courtois und Hélène Rousseaux haben in der Sendung im 2. VRT-Programm Canvas von ihrem 3. Platz bei der Europameisterschaft von 2013 erzählt. Doch sie blickten mit gemischten Gefühlen auf diese Zeit zurück. Unter Coach Gert Vande Broek hätten sie „emotionalen Machtmissbrauch“ erfahren, so die drei Yellow Tigers.

Vande Broek habe seine Macht missbraucht, er habe die Spielerinnen manipuliert und total kontrolliert: „Er ging bei den Yellow Tigers nach dem Motto vor, ‚herrsche und verteile‘. Er führte die Gruppe, in der er Angst erzeugte. Seine Methode war ‚schlagen und salben‘. Er glaubt vor allem hart sein zu müssen. Wir mussten hart angepackt werden.“ Dazu gehörten wohl auch frauenfeindliche Beschimpfungen und Beleidigungen, wie z.B. „Hure“, „fettige …weiber“, „Bande Trullas“, „dumme Ziegen oder Kühe“, „Bauernpferde“, „tanzende Diskothekenweiber“….

Unterschiedliche Reaktionen

Gert Vande Broek wollte vorerst nicht auf die Vorwürfe reagieren. Er wolle sich das in aller Ruhe durch den Kopf gehen lassen. Am Dienstagabend meinte er, dass er sich darüber wundere, dass man ihn so sehe... Beim belgischen Volleyball-Verband reagierte man völlig überrascht zu den Vorwürfen gegen den Trainer und weist alle Vorwürfe zurück, doch nach der Sendung „Der Preis des Gewinners“ meldeten sich weitere frühere Yellow Tigers, die bestätigten, was die drei Protagonistinnen in dem Programm gesagt hatten.

Aber, Britt Herbots, eine der heutigen Yellow Tigers, hat keine negativen Erfahrungen mit Coach Vande Broek: „Das ist nicht so, wie ich Gert beschreiben würde, absolut nicht. Ich glaube, ich kann jede Spielerin anrufen und jeder aus unserer Gruppe würde momentan sagen; Nein, das ist nicht der Gert, den wir gerade kennen.“ 

Kann der Trainer der Yellow Tigers nach diesen schweren Anschuldigungen überhaupt noch weitermachen, stellte sich die VRT-Sportredaktion Sporza die Frage. Koen Heoybrechts, der Direktor von Topsport Volleyball, ist da formell: „Wir hoffen absolut, dass wir mit ihm als Nationaltrainer noch jahrelang weiterarbeiten können.“

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Gert Vande Broek

Eine aktuelle Spielerin tritt zurück

Während sich einige der aktuellen Yellow Tigers nicht in der Kritik am Stil ihres Trainers wiederfinden können, teilte Ilka Van de Vyver (28 - Foto unten) per Tweet mit, dass sie aufhört. Die Kapitänin der belgischen Volleyball-Nationalmannschaft kündigte ihren Abschied nach den Enthüllungen über Gert Vande Broek an.

Gegenüber Sporza sagte Van de Vyver: „Ich habe in zwei verschiedenen Generationen der Yellow Tigers in der Mannschaft gespielt. Nach dem vergangenen Sommer habe ich beschlossen, um aufzuhören. Es wurde mit zu viel. Ich war eigentlich leer. Emotionell und mental kann ich es nicht mehr leisten – nicht für mich selbst und nicht für die Gruppe. Ich spreche dabei über die Atmosphäre neben dem Spielfeld. Die ist nicht negativ aber auch nicht komfortabel. Und ich denke, dass man in seiner Komfortzone sitzen muss, um das Beste von sich selbst zu geben.“

Ilka Van de Vijver hat genug von der Stimmung beim Essen, bei den Meetings vor und nach den Spielen sowie in den Besprechungen: „Das passiert alles auf eine bestimmte Art und Weise, hinter der ich nicht länger stehe. Das tut mir nicht gut. Es ist eher eine Aufopferung als ein Genuss, um für die Nationalmannschaft zu spielen. Es reicht mit jetzt, dass ich mich dadurch nur noch traurig finde. Für mich ist da kein positiver Vibe mehr…“ Doch auf dem Spielfeld sei die Stimmung gut, so Van de Vijver: „Die Spielerinnen wollen kämpfen, doch neben dem Feld ist es für mich nicht optimal. Ich fühle mich da nicht mehr gut. Ich brauche das nicht mehr…“ 

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Ilka Van de Vijver

Untersuchung in Auftrag gegeben

Inzwischen hat Flanderns Landessportminister Ben Weyts (N-VA) dem Juristen Bart Meganck den Auftrag erteilt, die Klagen über die Arbeitsweise und das Verhalten bei der Nationalmannschaft der Volleyballfrauen zu untersuchen. Meganck hatte zuvor die unabhängige Kommission geleitet, die ähnliche Vorfälle und Vorwürfe im Turnsport untersucht hatte. 

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