Im Justizpalast von Antwerpen: Prozessbeginn im Mordfall Julie Van Espen

In Antwerpen ist nach zweieinhalb Jahren der Prozess im Mordfall Julie Van Espen (Foto) gestartet. Zuerst wird die Jury für diesen Schwurgerichtsprozess zusammengestellt. Am Montag beginnt der eigentliche Prozess, der mit der Frage startet, ob dieser nicht hinter verschlossener Türe stattfinden kann. Die Familie der ermordeten jungen Frau hatte darum gebeten, denn sie will vermeiden, dass grausame Details der Straftat an die Öffentlichkeit geraten.

Ab Montag müssen die 12 Geschworenen darüber urteilen, ob der geständige Täter schuldig ist und wenn ja, welches Strafmaß für ihn gefällt werden muss. Möglicherweise findet dieser Prozess hinter verschlossenen Türen statt. Die Angehörigen des Mord- und Vergewaltigungsopfers wollen vermeiden, dass Details aus dem Verfahren über die Grausamkeit der Tat an die Öffentlichkeit geraten.

Ein Schwurgerichtsverfahren ohne Öffentlichkeit gab es aus ähnlichen Gründen in Belgien bisher nur ein Mal und zwar in den 1990er Jahren. Am Montag muss ein Richter klären, ob es im Belang der Öffentlichkeit steht, dass das Verfahren auch öffentlich stattfindet oder ob der Bitte der Angehörigen von Julie Van Espen entsprochen werden soll.

Die damals 23 Jahre alte Julie Van Espen verschwand am 4. Mai 2019 am helllichten Tag, als sie mit ihrem Fahrrad auf dem Weg zu Freundinnen war. Erst zwei Tage nach ihrem Verschwinden wurde ihre Leiche am Albertkanal in Antwerpen entdeckt. Sie war vergewaltigt und ermordet worden.

Ein zunächst als Zeuge per Foto gesuchter Mann entpuppte sich nur kurze Zeit später als Täter. Quasi sofort nach seiner Verhaftung gestand Steve Bakelmans, dass er die junge Frau vom Rad gezerrt hatte, um sie zu vergewaltigen und zu ermorden. Erschweren kam hinzu, dass Bakelmans auf freiem Fuß war, denn er wartete auf ein Berufungsverfahren in einem Vergewaltigungsprozess gegen ihn selbst. 

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