Jonas Roosens

Julie Van Espen-Mordprozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt

Der Prozess gegen Steve Bakelmans (41), der Mann, der des Mordes an der 23-jährigen Studentin Julie Van Espen (Foto) angeklagt ist, findet hinter verschlossenen Türen statt. Die Entscheidung, die Verhandlung vor dem Antwerpener Schwurgericht unter Ausschluss der Presse und der Öffentlichkeit abzuhalten, erfolgte am Montagmorgen auf Antrag der Zivilparteien. Weder die Staatsanwaltschaft noch die Verteidigung hatten Einwände gegen eine nichtöffentliche Verhandlung. 

Zur Begründung seiner Entscheidung, den Prozess gegen Steve Bakelmans hinter verschlossenen Türen zu führen, erklärte der Vorsitzende des Antwerpener Schwurgerichts, die Tatsache, dass Julie Van Espen vor ihrer Ermordung vergewaltigt wurde, habe unweigerlich zur Folge, dass im Laufe des Prozesses viele persönliche Informationen über das Opfer zur Sprache kommen werden.

Dem gegenüber stehe das Grundrecht auf ein öffentliches Verfahren. Das Gericht entschied jedoch, dass das Recht auf Schutz des Privatlebens einer Person Vorrang vor dem Recht auf ein öffentliches Verfahren habe. Presse und Zuschauer wurden daraufhin aufgefordert, den Gerichtssaal zu verlassen. 

Was geschah mit Julie Van Espen?

Julie Van Espen verschwand am 4. Mai 2019, einem Samstagabend, nachdem sie ihr Elternhaus in Schilde mit dem Fahrrad verlassen hatte.  Sie war auf dem Weg nach Antwerpen, wo sie sich mit Freundinnen treffen wollte. Dort kam sie nie an.

Die Vermisstenstelle der Polizei, Familie und Freunde suchten nach Julie am Ufer des Albertkanals, wo ihr Handy-Signal zuletzt empfangen worden war. Bald wurden blutbefleckte Kleidung und ein Fahrradkorb auf einer angrenzenden Wiese gefunden.  Überwachungsaufnahmen zeigten einen Mann mit einem großen Rucksack, der diesen Fahrradkorb und andere Gegenstände in der Nähe des Tatorts trug.

Da von der vermissten Studentin immer noch keine Spur entdeckt worden war, wurde die Öffentlichkeit alarmiert, und es wurden Bilder des Mannes mit dem Rucksack in Umlauf gebracht.  Er wurde als Steve Bakelmans identifiziert und  kurze Zeit später im Bahnhof  der Universitätsstadt Leuven festgenommen.

In der Zwischenzeit hatte ein mit einem Ultraschallgerät ausgestattetes Boot die Leiche von Julie im Albertkanal entdeckt.

Der Beschuldigte

Steve Bakelmans (Foto unten) hat den Mord an Julie Van Espen sofort nach seiner Festnahme gestanden und erklärt, sie habe sich bei der Vergewaltigung heftig gewehrt.

Bakelmans ist kein Unbekannter der belgischen Justiz.  Er wurde wegen einer Reihe kleinerer Vergehen wie Diebstahl, Bedrohung und Verkehrsdelikten straffällig, aber 2004 wurde er schon einmal wegen Vergewaltigung zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, die er vollständig aussaß.

Nach seiner Entlassung vergewaltigte 2016 Bakelmans dann seine ehemalige Freundin brutal.  Im darauffolgenden Jahr wurde er erneut zu 4 Jahren Haft verurteilt.  Die Staatsanwälte beantragen seine sofortige Inhaftierung, aber trotzdem wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt, weil er gegen das Urteil in Berufung ging. Erst zwei Jahre später entschied das Antwerpener Berufungsgericht in der Sache, erhöhte das Strafmaß und ordnete seine Inhaftierung an, aber da war es für Julie Van Espen schon zu spät.

Jonas Roosens

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