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Niedrigere Zahlen als im Vorjahr aber wieder Übersterblichkeit in Belgien in diesem Herbst

In diesen Herbstwochen vor dem Jahreswechsel sind in Belgien wieder mehr Menschen gestorben, als letztes Jahr im Herbst. Das bedeutet, dass in unserem Land eine Übersterblichkeit vorliegt. Doch diese ist aufgrund der erfolgreichen Impfkampagne gegen das Coronavirus Covid-19 bei weitem nicht so ausgeprägt wie 2020. 

Im Sommer sah es noch gut aus in Belgien: In den Monaten Juni, Juli und August wurden pro Tag nicht mehr Sterbefälle registriert, als in den Jahren vor Corona (2009 bis 2019). Seinerzeit gab es also keine sogenannte Übersterblichkeit. Das war 2020 aber anders. Und leider ist die aktuelle Situation wieder anders und die Statistiken weisen erneut eine Übersterblichkeit auf.

Im Oktober dieses Jahres starben belgienweit 314 Personen pro Tag und um November stieg diese Tageszahl auf durchschnittlich 336 Todesfälle. „Normal“ wären im Oktober 282 tägliche Sterbefälle und im November 289. Positiv ist aber, dass die Zahlen ein Stück weit niedriger liegen, als in den Vergleichsmonaten des Jahres 2020.

Logische Entwicklung

Die aktuelle Übersterblichkeit ist fast ausschließlich auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, auch wenn die 3. und die 4. Coronawelle deutlich weniger Sterbefälle forderten (bzw. fordern). Das ist eine logische Entwicklung sagen der Virologe und Leiter des staatlichen wissenschaftlichen Gesundheitsamtes Sciensano, Steven Van Gucht, und der Antwerpener Biostatistiker Gert Molenbergs.

Im Herbst 2020, also während der 2. Coronawelle, starben zu bestimmten Zeitpunkten täglich 200 bis 300 Personen an einer Erkrankung an Covid-19. Derzeit ist das Virus zwar deutlicher in der Gesellschaft präsent - und dies bei weniger scharfen Maßnahmen und Einschränkungen - und die Sterbeziffern liegen bei etwa 50 am Tag.

Dass diese Zahlen so deutlich sinken können, liegt an der aktuellen Impfstrategie, so der Virologe Van Gucht: „Das verdanken wir nur der Impfung. Die Zirkulation des Virus war in Flandern z.B. noch nie so deutlich wie in diesem Herbst und doch blieb dies im Hinblick auf die Todeszahlen recht beschränkt. Wer geimpft ist, läuft 8 Mal weniger in Gefahr, an diesem Virus zu sterben. Das merkt man doch an diesen Zahlen.“

Wie wird sich die Lage 2022 entwickeln?

Ob in Belgien im kommenden Jahr wieder Übersterblichkeiten registriert werden müssen, kann derzeit noch nicht wirklich beantwortet werden. Biostatistiker Molenbergs hält dies derzeit für unmöglich, konkret vorauszusagen: „Wir wissen noch nicht sehr viel über die neue Omikron-Variante. Sorgt sie nicht für mehr Sterbefälle oder sterben viel mehr Menschen daran? Wir müssen auf mehr Informationen darüber warten.“

Der Virologe Steven Van Gucht und der Biostatistiker Gert Molenbergs stellen fest, dass die Menschen, die in diesen Tagen an einer Infizierung mit dem Coronavirus Covid-19 sterben, in zwei Kategorien aufzuteilen sind. Einerseits sind dies betagte Personen, die geimpft sind, die aber an Vorerkrankungen litten und die bereits körperlich schwach sind. Andererseits sind dies bedeutend jüngere Personen, die fast ausschließlich nicht gegen Corona geimpft sind.

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